50 H. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.
Nachlasse des Geh. Kirchenraths Griesbach, so wie aus der Göpfert’schenDruckerei in Jena, in welcher Schiller drucken liess, erworben habe.Abgesehen von einem Widerspruche, in welchen Gerstenhergk selbstsich hierbei verwickelt hat, indem er das eine Mal die Sache so dar-stellte, als habe er von Römhild Handschriften, deren Vorhandenseinin seinem Besitze dieser ihm angezeigt, gekauft, das andere Mal so,als habe er (G.) den Römhild erst zur Herbeischaffung solcher veran-lasst, stehen auch der Glaubwürdigkeit dieser ganzen Aussage folgendeMomente entgegen:
a. Rodeck war nach glaubwürdigen Zeugnissen ein Mann vonsehr untergeordneter geistiger Befähigung, der den Studenten dieStiefel wichste und nebenbei wohl auch die Bücher verschacherte,schwerlich aber sich auf Autographen verstand und einen selbstständi-gen Handel damit führte.
b. Der dermalige Besitzer der Göpfert’schen Druckerei, Schreiberaus Jena, sagt aus: es sei allerdings Sitte, dass die Manuscripte inden Händen der Setzer verblieben und nicht an den Verleger zurück-gegeben würden; dass aber die Wittwe Göpfert den Werth solcherManuscripte erkannt und dieselben aufbewahrt haben solle, könne er,da sie eine sehr einfache, wenig gebildete Frau gewesen, nicht glau-gen. Als er die Druckerei gekauft, habe sich nichts dergleichen vorge-funden; „er würde glücklich gewesen sein“, setzte der alte Mann mitRührung hinzu, „auch nur ein Manuscript Schiller’s auf diese Weisezu erhalten“.
c. Das Vorhandensein Scliiller’scher Handschriften im Griesbach-schen Nachlasse oder gar der Verkauf solcher an Römhild wird voneiner Nichte Griesbach’s als sehr unwahrscheinlich und ihr gänzlichunbekannt dargestellt.
Wir fügen endlich noch hinzu, dass seitens der Staatsanwaltschaftmit Recht geltend gemacht ward, wie höchst unwahrscheinlich es sei,dass ein solcher Schatz von Handschriften Schiller’s in Jena, wo der-selbe doch hinlänglich bekannt und geschätzt war, so lange verborgengelegen haben sollte, bis erst nach vollen 40 Jahren der StiefelwichserRodeck ihn gehoben hätte. Auch ist daran zu erinnern, dass, wieschon das Sachverständigen-Gutachten Nr. 3 hervorhob, keins dervon Gerstenhergk verkauften angeblichen Manuscripte Schiller’s dasin den Druckereien übliche, nach Schreibers Aussage auch schon zu