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II. Natur der Autographeu. Autographenfälschungen.
Schriften Schiller’s schwerlich so billig hingegeben haben würde ,indem er endlich sich auf das Zeugniss verschiedener hiesiger Sach-kundiger, z. B. Schöll, Sauppe, Stadtdir. Haase, bezieht, welche ihmauf sein Vorzeigen die Aechtheit jener Handschriften versichert hät-ten — eine Behauptung, wegen der er von den genannten Personenbei der öffentlichen Verhandlung in’s Gesicht Lügen gestraft wird, ob-gleich er die Keckheit hat, ihnen gegenüber auf seinen selbsterfunde-nen Geschichten von angeblichen Gesprächen mit ihnen, von denenjene kein Wort wissen, zu beharren.
Einen besondern Werth legte die Anklage, und wohl mit Recht, aufein von Gerstenbergk selbst unwillkürlich abgelegtes Selbstbekenntnissder von ihm betriebenen Fabrikation Schiller’sclier Handschriften. Ger-stenbergk hat sich nämlich gegen Verschiedene gerühmt, dass er nochallerhand werthvolle Handschriften Schiller’s, unter Anderem auch dasvollständige Manuscript des Wallenstein, besitze. Dieses Manuscripthat sich nun aber nirgends vorgefunden, und Gerstenbergk vermagauch, trotz aller aufgewendeten Mühe, nicht, die Ursache dieses Ver-schwundenseins glaubhaft anzugeben. Der Schluss liegt nahe, dassGerstenbergk jenes Besitzes sich rühmte, um die Käufer darnach lü-stern zu machen, und dass er die Absicht hatte, ein solches Autographauch noch zu fertigen, aber nicht mehr dazu kam.
Der Beweis, dass Gerstenbergk selbst der Verfertiger der vonihm ausgegangenen falschen Schiller’schen Handschriften gewesen sei,ward unterstützt durch die bei ihm Vorgefundenen oder erweislicher-massen von ihm zusammengebrachten Hülfsmittel einer solchen Fa-brikation. Man fand bei ihm allerhand Schriften, welche theils Nach-richten über Schiller, theils verschiedene Abdrücke seiner Gedichteenthielten, z. B. den „Deutschen Merkur“.
Gerstenbergk bediente sich zur Vervielfältigung seines Absatzesdes Kunstgriffs, Schiller’sche Gedichte in der Form darzustellen, inwelcher sie angeblich zuerst oder in besonderer Veranlassung gedrucktworden waren, bevor sie in der Gesammtausgabe erschienen. So boter dem Grosse die „Götter Griechenlands“ in dreifacher Abschrift anund äusserte auf dessen befremdete Frage deshalb: er dürfe ja nurauf der Bibliothek nachschlagen, da werde ei'finden, dass dieses Ge-dicht zuerst im Merkur, sodann in der ersten Ausgabe der Schiller’schenGedichte erschienen, später aber von dem Dichter umgearbeitet undverkürzt worden sei.