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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen. 55

zu deren Fälschung mitgewirkt, oder darum gewusst, und die gefälsch-ten wissentlich für ächte verkauft habe.

Es liegt also das Verbrechen des Betrugs bei Eingehung von Ver-trägen (Art. 236 und 238 des Strafgesetzbuchs) vor.

Die den Anklägern (Frau Riemer und Grosse) betrügerischerWeise entzogenen Summen werden von dem Gerichte, soweit sie sichbestimmt ermitteln lassen, auf 25% Thlr. (innerhalb der Verjährungs-frist), soweit sie nur eine annähernde Schätzung zulassen, auf 50 Thlr.taxirt. Milderungsgründe liegen nicht vor, namentlich keinerlei freiesGeständniss des Angeklagten, dagegen eine grosse Beharrlichkeit beiUebung des Verbrechens. Doch hat das Gericht dem Angeklagten dieohne sein Verschulden (durch die in den Verhältnissen liegende Lang-wierigkeit der Voruntersuchung) verlängerte Untersuchungshaft ange-rechnet und deshalb den Strafantrag des Staatsanwalts, der auf 2)4Jahr Freiheitsstrafe lautete, aber auch auf die UntersuchungshaftRücksicht genommen wissen wollte, auf 2 Jahre ermässigt 1 . Auf ein-gewendete Appellation hat im Mai d. J. das Appellationsgericht in Ei-senach die Arbeitshausstrafe auf 1 Jahr herabgesetzt.

Bei dem allgemeinen Interesse, welches der vor wenigen Mondenvon dem Professor Lepsius in Berlin entdeckte Betrug erregt, den derin Leipzig sich aufhaltende Neugrieche Constantin Simonidesausgeübt , indem er dem Professor Dindorf in Leipzig und der BerlinerAkademie ein aus 71 Pergamentblättern bestehendes griechisches Pa-limpsest, welches angeblichdrei Bücher des Uranios über die ägyp-tischen Könige enthielt, für 5000 Thaler zu verkaufen suchte, erin-nern wir an eine Warnung vor diesem Fälscher, welche das Magaz. f.d. Lit. des Ausl. 1855 No. 6 brachte:

Neugriechische Industrie. Der rühmlichst bekannte Bi-bliograph, Herr Ludovic Lalanne, Herausgeber des Athenaeum Fran-cais, warnt in diesem Blatte vor diesem in der Welt umherreisendenGriechen, der ein sehr geschickter Paläograph sein soll und die Bi-bliothekenbesitzer, sowie die Liebhaber kostbarer alter Manuscripte inEuropa und Amerika, sehr gern hinters Licht führen möchte. In Parisund in London hat dieser Grieche bereits, wie Herr Lalanne erzählt,allerlei höchst merkwürdige alte griechische Handschriften herumge-boten, über deren Auffindung er gar wunderbare Geschichten zu er-

1. Weimar. Ztg. Red. K. Biedermann 1856 No. 56. 57. 58. 59. 64. 65. A. Vollert, derProzess wegen betrüglicher Anfertigung Schillerscher Handschriften u. ». w. Jena 1856. gr. 8.