IV. Nutzen der Autographen.
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„Ferner — ist offenbar, dass jedes Gemälde, jede Figur im Ge-mälde, und für den Kenner und Beobachter jeder Zug den Charakterseines Meisters hat.“
„Kein einziger Zug aus einem Kupferstich von Wille hat denvollkommenen Charakter irgend eines einzigen Zuges aus einem vonSchmidt.“
„Lasst hundert Maler, lasst alle Schüler eines und desselbenMeisters dasselbe Bild nachzeichnen , und alle Copieen dem Originalauffallend ähnlich sein — jede Copie wird dennoch sicherlich eineneigenthümlichen Charakter, den Charakter ihres Verfassers, wenigstenseine Tinktur davon haben.“
„Die Sache bedarf keines andern Beweises, als des blossen An-schauens. Sollte dieses von den Zeichnungen und Figuren, die manHandschriften nennt, weniger wahr sein? Wird diese Verschiedenheitaller Handschriften nicht allgemein anerkannt? — Was sag’ ich? Rich-ten nicht sogar förmliche Tribunale, die sonst auch die Physiognomiedes ganzen Menschen verwerfen, über die Physiognomie der Hand-schrift? das heisst: Setzt man es nicht als die höchste Wahrschein-lichkeit voraus, dass (seltene Menschen ausgenommen) jeder Menschseine eigene, individuelle und unnachahmbare, wenigstens selten undschwer ganz nachahmbare Handschrift habe? “
„Und diese unläugbare Verschiedenheit sollte keinen Grund inder wirklichen Verschiedenheit der menschlichen Charakter haben? “„Man wird einwenden: „Ebenderselbe Mensch, der doch nur Ei-nen Charakter hat, schreibt oft so verschieden, wie möglich“. — Ichantworte: „Ebenderselbe Mensch, der doch nur Einen Charakter hat,handelt oft, dem Anschejne nach wenigstens, so verschieden, wiemöglich“. — Und dennoch . . selbst seine verschiedensten Handlungenhaben Ein Gepräge, Eine Färbung, Einen Gehalt. Der Sanftmü-thigste kann zornmüthig sein; aber sein Zorn ist nur sein Zorn, undkeines Andern. So zürnt kein anderer Zornmüthiger, und kein andererSanftmüthiger, wie er. Sein Zorn hat dasselbe Gepräge, dieselbeTinktur, wie seine Sanftmuth. Sein Blut behält ebendieselbe Mischung,wenn er zürnt, -wie wenn er sanftmüthig ist, oder bekommt wenigstensnicht die Mischung, die das erhitzte Geblüte des Zornmüthigen hat.Er hat nicht die Nerven, nicht die Empfindsamkeit, die Reizbarkeit,die den Zornmüthigen zum Zornmüthigen macht. Gerade so mag essich auch mit der Handschrift verhalten. Wie der Sanftmüthige zürnen