IV. Nutzen der Autographen.
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Empfindung ward so gleichsam die Grundlage der Vernunft, derempfindende Mensch, der Vorgänger des Denkenden und der Schwär-mer der Vorläufer des Philosophen. Erst sinnlich äusseren Anreiz —dann auf Empfindung und Ahnung schwebender Geist der Einbildungs-kraft — und endlich vollendete klare Erkenntniss und abgezogeneWahrheit. Leibnizisches durch feinere Sinnenorgane gewecktes Ahneneiner ewigen Stufenfolge der Schöpfung und endlich durch Erfahrungund Denken geprüfte und gefundene Wahrheit derselben.
Ich darf weder hoffen, den Namen des Schwärmers zu verdienen,noch fürchten, von dem grob organisirten Böotischen Allwisser zu hö-ren, wenn ich für eine Erscheinung, die mehr als so manches Andereist belacht, als geprüft worden, wo nicht Empfänglichkeit, doch we-nigstens Ernst habe, um sie einer gründlicheren und denkenderen Un-tersuchung zu unterwerfen. Ich glaube, der Anthropologie einen klei-nen Beitrag liefern und ihre Aussichten erweitern zu können, wennich sie selbst zur Entscheidung der Frage hervorrufe und auf sie dasResultat der Untersuchung zurückkommen lasse: ob und inwieferneine Charakterzeichnung des Menschen aus seiner Hand-schrift wahrscheinlich und möglich ist? Vier Gesichtspunkte,die ich mehr oder weniger zur Entscheidung nur angeben darf, bietensich mir zur völligen Betrachtung dieser Frage dar:
1. Welchen bestimmenden Einfluss hat der Nerv auf den intellec-tuellen, empfindenden und moralischen Menschen?
2. Welchen bestimmenden Einfluss leidet der Nerv selbst von denübrigen ihn umgebenden Bestandtheilen des Körpers, dem Blute,den Knochen und dem Fleische?
3. Haben die verschiedenen Modifieationen des Nerven auch ver-schiedene äussere harmonische Nachbildungen, Bewegungen,Thätigkeiten der Glieder? und hat daher der Zustand des inne-ren Menschen auch gemässen Ausdruck in dem Aeussern seinesHandelns — dem Bewegen seiner Hände, Füsse u. s. w. ?
4. Ist es daher möglich, charakteristische Handschriften zu denkenund durch Erfahrung in denselben Charakterzeichnungen desMenschen zu bestätigen?
So lange Aufeinanderfolge und Nebeneinandersein die Denkgesetzejeder Geisterart bleiben, so lange der menschliche Geist sich nichtselbst zu der höchsten einzigen letzten Vollendung hinschwingt, solange muss ein Organ da sein, welches die möglichen Tonbestimmun-