Buch 
Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
Entstehung
JPEG-Download
 

90

IV. Nutzen der Autographen.

gen, möglichen Anreiz und Anschlag der geistigen Empfindung undThätigkeit in sich trägt und alle die möglichen Zeitmodificationen undAusdehnungsformen, die sich in jene auflösen, nachzubilden fähig ist.Es kann für das geistige Wesen nicht gleichgültig sein, wie das Me-dium beschaffen ist, durch welches er Einwirkungen bekommt undaustheilt, nicht für seine Thätigkeit, Art, Stärke, Geschwindigkeitderselben gleich bestimmend, ob es mehr oder weniger träge, mehrmit diesen als jenen Bestandtheilen getränkt ist. Ohne daher selbstAbstufungen des menschlichen Geistes anzunehmen, ist dieses alleinvermögend, alle die tausend individuellen Modifieationen des empfin-denden, moralischen und intellectuellen Menschen hervorzubringen.Mit glücklicher Bildung empfänglicher Sinnenwerkzeuge verdankt derTonkünstler, Maler, Bildhauer, jeder seine eigene Darstellungsartblos diesen verschiedenen möglichen Graden der veränderlichen Be-weglichkeit und der gehaltenen tonischen Ruhe der Innervation. Feu-riger, geschwinder, stärker wirkender charakterisirt sie den Maler,der alle seine Empfindungen in dem eben so geschwinderen und stärkerwirkenden Nebeneinandersein darstellt, hingegen leichtere, ruhigereGeistigkeit derselben den Tonkünstler, der seine Empfindungen inder sanfteren, gefälligeren Aufeinanderfolge hinschweben lässt.

Der moralische Mensch leidet eben so viel Veränderungen seinesDaseins durch die verschiedene Beschaffenheit der Innervation. DerFreigeist und der Religiöse, der moralische Sanguiniker und der furcht-same Gewissenhafte, jeder hat seinen eigenen Boden, aus dem seineEmpfindungsart hervorbricht.

Längst bewiesen ist von Anthropologen der Einfluss des Nervenauf das geistige denkende Wesen, dass ich also wol die erste Fragedieser Untersuchung weitläufig genug beantwortet zu haben glaubendarf.

Weiter könnte ich die zweite Frage ausdehnen, welchen Einflussder Nerv von den übrigen Bestandtheilen des Körpers leidet? Weit-läufig könnte ich hier sein, wenn ich nicht schon diese Untersuchunganderswo durch meine Temperamentslehre vollendet glaubte.

Nur fragmentarisch wie überhaupt diese ganze Untersuchungnichts als Fragment sein soll will ich die dritte Frage mit Beobach-tungen des gemeinen Lebens beantworten, da sie schon überdies durchEngels philosophische Mimik und Lichtenberg's Bemerkungen ausseiner satyrischen Menschenkenntniss bewiesen worden ist.