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IV. Nutzen der Autographen.
ches eben so, wie das geistigere Empfinden, den Menschen über dasThier erhebt und mit welchen der Mensch zunächst die Werke seinerUnsterblichkeit aufstellt und die Existenz seiner Empfindungen ver-ewigt. — Das Spiel der Hände ist das Spiel der thätigen, wirkendenSeele und die Bewegungen derselben sind die Bewegungen des innernmoralischen Herzens. Betet je wol Einer mit, statt hingesenkter,sanft in einander geschlagener Hand, geballter, in einander gedräng-ter Fingerkraft? — ist wol Einer mit eingeknippenen Händen frei-gebig, mit ruhigem Fingerspiel zornig? — Könnte ich die Jahre wie-der erkaufen, wo deine zarte Hand sich an dem Halse deiner Mutterumklammerte, wo sie noch von keinem Nervenweh geschmerzt un-schuldig in den Lüften sich hinbewegte ! Erkauftest du weniger alsdeine Unschuld, den ruhigen, zufriedenen Kindheitssinn deines Her-zens? — Besonders die Ruhe der Empfindung zeigt sich in der Ruheder Hand und das quälende Gewissen des Mörders in den sichwinden-den Krämpfen seiner Finger, die Angst der hinscheidenden Empfin-dung des Sterbenden in dem zuckenden ängstlichen Zupfen an seinemBette oder seinem Sterbekleide. Der Mensch, der jetzt einen Gedankenentwickelt, hin und wieder aber Schwierigkeiten findet, dass er nichtselig werden, sich nicht herausfinden kann, nimmt, was ihm unter dieHand kommt, ein Stück Papier, Holz, und macht es nach und nachklein, zerbricht es in tausend Stückchen, wie er den Gegenstand selbstin seiner Seele nach und nach zergliedert und gleichsam kleinermacht. Der Melancholische, der immer auf eine Idee hingerichtet ist,liest Federn von seinem Rocke, auch wo er sie nicht findet. Der Hy-pochondrische umfasst in den ängstlichen Sorgen der Zukunft mit derrechten die linke Hand über dem Gelenkbein.-
Die Hand also so voll Ausdruck der Seele sollte in ihrer Bewegungdes Schreibens, dem Zeichnen des Buchstabens so ganz ohne Charak-teristik sein? die Hand nichts von der eigenthümliehen Modificationihres Pinsels, der Hand und des Nervens enthalten?
Wie ist diess möglich, wirft man ein, da erstlich das Schreibeneine nach Regeln bestimmte mechanische Bewegung der Feder undmechanischer Zug des Buchstabens ist? — Wie ist es möglich, daJeder sich nach seinem Schreibmeister bildet? da endlich jeder Buch-stabe seine bestimmten Grenzen hat, die unveränderlich sind? Wievielkommt nicht auf die Feder an, wie sie geschnitten ist, wie ich selbsthabe schreiben wollen ? u. s. w.