IV. Nutzen der Autographen.
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andere Züge schreiben werde, als die fein sensible, oder die edele psy-chische, ist ja von selbst klar und gibt den eigentlichen physiologischenund somit auch einzig wahren Grund für die Bedeutsamkeit des Sam-melns von Autographen.“
Adolf Ilenze, der Grammaturg der Illustrirten Zeitung, sagt 1 :„Die Handschrift ist ein Theil der Individualität des Menschen, sie ge-hört also, wie das Portrait, zu seinem Ich, immer in eigener, selb-ständiger Form.“
„Alles, was zur Persönlichkeit eines grossen Mannes gehört, was
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ihn uns sichtbar kennzeichnet, entzieht das „stille und tiefe“ Grah un-sern Blicken, und nur Nachbildungen der Figur, des Antlitzes, rufendas Bild in der Erinnerung zurück, — die Handschrift allein istdas sichtbare Zeichen, das unmittelbar von dem Menschenausgeht und als Original auch nach dessen Tode uns stetssichtbar bleibt !“
An einem andern Orte 2 sagt Henze: „So wie sich im Allgemeinendie Handschriften der Nationen unterscheiden und dem tiefem Heohach-ter den Nationalcharakter vorführen; so wie sich ferner die Handschrif-ten der Männer von denen der Frauen, ganz im Einklänge mit ihrerBestimmung, unterscheiden, so hat auch jede Handschrift ihren eignenTypus, der in den meisten Fällen ein Abdruck des Geistes ist.“
Ferner 3 : „Um die Geistesrichtungen, Neigungen, Eigenschaften,Eigenheiten des Schreibenden aus den Schriftzügen herauszufinden,hat man zunächst auf folgende Punkte zu achten: 1) auf die Grösseder Schrift im Allgemeinen; 2) auf die Lage der Buchstaben an sich —ob geradstehend oder liegend; 3) auf die Gestalt der einzelnen Buch-staben, — ob schwunghaft und mit Gewandtheit entworfen, oder obschwerfällig, ob alleinstehend, ob affectirt, ob eckig oder rund geformt,ob mehr natürlich oder gekünstelt, ob dick oder fein; 4) ob die Schriftgedrängt oder gedehnt, und, was ziemlich allgemein hiermit verbun-den ist, ob die Zeilen weiter oder enger auseinanderstehen; 5) ob rein-lich oder gekleckst; 6) ob die Schrift gemischte deutsche und lateini-sche, oder auch ganz lateinische Buchstaben enthält; 7) ob die Zügekühn oder zaghaft hingeworfen sind; 8) welchen Eindruck die ganzeSchrift macht, — ob sie mehr als eine geniale, oder mehr gewöhn-
1. Die Handschriften der deutschen Dichter und Dichterinnen mit 305 Facsimile’s u. s. w.Leipz. 1855. S. V.
2. Illustr. Ztg. 1850. Bd. XIV No. 352.
3. Das. 1850. Bd. XV No. 368.