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IV. Nutzen der Autographen.
C. G. Carus sagt 1 : „Ehe ich nun die symbolischen Bedeutungenderselben [der Hand] ganz verlasse, ist noch der hier, wieder fast wieim Antlitz, obwol auf ganz andere Weise, stark hervortretenden patho-gnomischen Beziehungen besondere Erwähnung zu thun. Dass die Le-bensführu n g in der Hand sich grossentheils sehr deutlich abspiegele,wer könnte dies leugnen! — Nicht wie im Gesicht freilich sind es Ge-müthsbewegungen und Leidenschaften, welche ihre Züge mit sehr le-serlichen Lettern dort einzugraben pflegen , wohl aber dafür die mate-rielleren, und doch auch wieder sehr auf das Geistige rückwirkenden Be-schäftigungen , welche in der Hand mit grosser Bestimmtheit sich ver-rathen. Wie sehr weicht die Hand des thätigen Ackermannes ab vonder des Maurers, Gerbers und Färbers, und diese wieder von der desFischers und Schiffers, wie verschieden wird sich die Hand des Zimmer-manns von der des Tischlers ausbilden, die der Nätherin von der derWäscherin, und wie sehr werden alle diese Hände materieller Thätigkeitwieder sich unterscheiden lassen von den einer geistigen Thätigkeitdienenden Händen des Künstlers, des Schriftstellers, des Wundarztes,und endlich alle diese wieder von denen der aristokratischen nie eineHärte berührenden Dame! — Dabei ist keine Frage, dass die Entwicke-lung der feinem physiologischen Handformen, namentlich der sensibelnund psychischen, sehr gehindert und überhaupt verändert werden kanndurch diese verschiedenen Arten von Lebensführungen. Gibt man Ach-tung auf die Hände des Volkes, so wird man gar nicht so selten hier,wie in den Gesichtern, Formen gewahr werden, welche entschiedendie Anlage zu einer der hohem Bildungen ausdrücken, durch zeitigeangestrengte mechanische Arbeiten aber, und Noth, sich nur sehr un-vollkommen entwickelt haben. — Jedenfalls hat also die Symbolik auchauf diese pathognomische Zeichensprache der Hand stark zu achten,wenn sie möglichst vollkommen alles Das aus diesem wunderbarenOrgan herauslesen will, was wirklich darin geschrieben steht. — Führtdoch dergleichen dann noch immer weiter! Denn es versteht sich javon selbst, dass z. B. nun auch die Handschriften, d. li. die einem jedenLande eigenthümlichen Züge der geschriebenen Symbole der Gedankender Menschen, in ihrer individuellen Besonderheit, zum grössten Theilemit durch den Bau der Hand sich bestimmt finden werden, und dadurchdann selbst ihre fernere Bedeutung für die Persönlichkeit erhalten. —Dass demnach die grobe elementare, und die starke motorische Hand
1. Symbolik der meuschl. Gestalt. Leipz. 1853. S. 296 ff