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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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IV. Nutzen der Autographen.

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ten auch gezeigt haben; selten begegnen wir irgend einem Nebenzuge.Da, wo die weiblichen Handschriften männliche sind oder doch starkdaran erinnern, kann man mit Bestimmtheit annehmen, dass auch derCharakter ein dem männlichen verwandter ist; sowie im andern Falle,wenn die Handschrift des Mannes eine weiche, der weiblichen sich an-nähernde ist, auch der Charakter dem weiblichen sich nähert.

Auch die Handschriften der Kaufleute müssen wir besonders er-wähnen. Man pflegt immer zu sagen, dass Kaufleute durchweg dieselbeHandschrift und durchaus nichts Unterscheidendes an sich haben. Esist dies eine oberflächliche Behauptung. Im Allgemeinen ist bei den-selben allerdings der Ductus derselbe, so dass also der Laie auf denersten Blick nichts Abweichendes darin findet. Allein betrachtet dieseZüge der Eingeweihte, so findet er sehr wohl aus den Handschriftenheraus, ob deren Autor unternehmend oder zaghaft, ob er zu den be-scheidenen oder zu den üppigen Söhnen Merkurs gehört, ob er prac-tisch in seinen Unternehmungen ist, oder diese dem blinden Zufalle zuüberlassen Anlage hat, ja wdr glauben sogar behaupten zu können,dass man nicht selten die Solidheit aus den Schriftzügen deuten könne.Schwunghafte Züge deuten auf grosse Ideen, auf Unternehmungsgeist;kleine, namentlich wenn sie ohne Geist dahin geworfen, auf das Gegen-theil; geistvolle Züge, entfernt von zu grossem Prunke, zeigen dendenkenden Kaufmann an; eine prunklose, doch geistvolle Mittelschriftdeutet auf Solidheit und Bescheidenheit. Bei grossen kaufmännischenHandschriften kann man sich leicht täuschen; manchmal zeigen sieeinen grossen Beutel an, manchmal auch Unwissenheit, und manchmalBeides; eine grosse Handschrift hingegen, die mit Geist entworfen ist,zeigt uns den Mann mit materiellen und geistigen Kräften. Wir wie-derholen es jedoch, dass auch hier Ausnahmen nicht selten sind, unddass nur Der, der sich lange mit Schriftspähen befasst hat und vonHause aus Interesse für die Sache mitbringt, ein Urtheil hierüber fäl-len kann.

Die im Vorigen zusammengestellten Beweise, dass man aus derHandschrift auf die Geistesrichtungen, Neigungen oder Eigenheitendes Menschen schliessen könne, dürften für unsere Zwecke genügen 1 .

1. Vgl. ausserdem Cramer, Individualitäten. Amsterdam 1806. Facius, I'özile. Coburg 1801. S. 6. Stöhr, Physiognomie. Coburg 1804.Nicolai, Selbstkunde. N. A. Quedlinb.1818. I, 98.