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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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X. Erwerbungsart der Autographen.

geraumer Zeit wirkliche Autographenauctionen L Ausserdem ist derHandschriftenverkauf in den Händen der Buchhändler, Antiquare undeigentlichen Autographenhändler (J. Techener, E. Tross, Lefebvre, La-verdet, Charavay u. A.) 1 2 , welche monatlich Bulletins erscheinen lassen.

England ist hinter Deutschland und Frankreich nicht zurückge-blieben, denn in London haben alljährlich mehrere VersteigerungenStatt. Der reiche Engländer aber wie der Russe betrachtet die Auto-graphen in der Regel als Kuriositäten und bezahlt sie mit exorbitantenPreisen.

Auch in Italien, Holland, Belgien, Schweden, Dänemark u. s. w.tauscht und verkauft man Autographen.

Aber selbst zu verwerflichen Mitteln hat man gegriffen, um sich inden Besitz von Handschriften zu setzen. Vorzüglich wissen öffentlicheBibliotheken und Privatsammlungen davon zu erzählen, wie arg sie, be-sonders von wissbegierigen gelehrten Liebhabern mit weiten Taschen,zugerichtet und ausgebeutet worden sind, weshalb man es den Besitzernvon autographischen Seltenheiten gewiss nicht verdenken wird, wennsie solche unter Umständen nur mit Vorsicht zur Ansicht vorlegen.Im Jahre 1851 erschien in Paris ein Katalog aller in den Bibliothe-ken Frankreichs seit einer Reihe von Jahren gestohlenen Doubletten,Manuscripte und Autographen, gewissermassen eine Criminalistik derLiterärgeschichte, welcher den lebhaften Handel erklärt, den seit ei-niger Zeit Privatpersonen mit seltenen Druck- und Handschriften, na-mentlich aber mit Autographen treiben 3 . Dieser Handel cliarakterisirtjene Entwendungen als eigentliche Diebstähle, denn wie man sieht, wer-den sie nicht aus Liebhaberei begangen, sondern lediglich in der ge-winnsüchtigen Absicht, das Gestohlene zu verkaufen. Die Diebstähleoder, eigentlicher zu reden, die Plünderungen wurden in einem so rie-senhaften Massstabe betrieben, dass es allen Glauben übersteigt. Inden letzten Jahren namentlich waren die Diebstähle erschreckend zahl-reich und die Diebe zeigten eine solche Unverschämtheit, dass sie in

1. Iu Paris sind von 1822 bis 1852 95,000 Stück Autographen öffentlich versteigert worden.Von 1837 bis 1851 haben uicht weniger als 95 öffentliche Verkäufe Statt gefunden, in denen58,000 Stück verkauft wurden, und vielleicht dreimal so viel gingen durch Privatverkäufe inandere Hände über. In den letzten Jahren wurden fast alle Monate Autographen-Auctionen ab-gehalten.

2. Die letzteren Drei befassen sich vorzüglich auch mit Besorgung von Aufträgen in dor-tigen Auctiouen.

3. Lalande et Bordier, Dictionnaixe de piöces autographes volees aus bibliothequespubliques de la France etc.