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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
Entstehung
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X. Erwerbungsart der Autographen. 181

der That sehr grossmüthig zu sein glaubten, wenn sie nicht Allesnahmen.

Wir theilen ferner einige aussergewöhnliche Methoden, Autographenzu sammeln, mit. Ein Schriftsteller in Paris, welchem der Auftrag gewor-den, für eine vornehme Dame eine grossartige Handschriftsammlung vonZeitgenossen zusammenzubringen, ergriff folgendes Auskunftsmittel, umzum Ziele zu gelangen. Er liess durch einen eigens dazu angenommenenSchreiber an die 40 Akademiker, an die 900 Mitglieder der verfassung-gebenden, an die 750 der gesetzgebenden Versammlung, an die Mit-glieder der gelehrten und künstlerischen Anstalten und Vereine, imGanzen mehr als 2000 Briefe richten, worin die Theilnahme der Em-pfänger für ein Werk begehrt wurde, das unter russischem Einfluss un-ternommen werden solle. Die Schreiben waren vermuthlich mit Ge-schicklichkeit abgefasst und wurden fast alle beantwortet, wenn auchzum Theil ablehnend, so dass die reichhaltige Sammlung eigenhändi-ger Briefe von Zeitgenossen noch das besondere Interesse hatte, sichauf einen und denselben Gegenstand zu beziehen. Ein anderer adeligerFranzose schrieb an die bekanntesten Personen in Europa Briefe, inwelchen er aus einander setzte, dass er in Folge grenzenlosen Kummerszur Verzweiflung gebracht worden sei und ihm nichts übrig bleibe, alsdurch Selbstmord seinen Leiden ein Ende zu machen. Zum Schlussfügte er indess hinzu, er habe sein Gewissen über den Selbstmord nochnicht ganz zu beruhigen vermocht und bat in rührenden Worten, ihmim Vertrauen zu sagen, ob wol ein Unglücklicher seiner Art das Rechthabe, Hand an sein Leben zu legen. Dieser rührende Brief wurde viel-leicht hundertmal copirt und, wie gesagt, an die hervorragendsten Per-sonen Europas gesandt. Die Antworten gingen nach und nach ein; amlakonischesten war die Esparteros.Mein Herr, schrieb der spanischeSiegesherzog,ich rathe Ihnen, das Leben nicht selbst anzutasten. DerTod ist eine Kugel, die jeden von uns, früher oder später, auf demKampfplatze des Lebens treffen muss. Sie haben einfach zu warten,bis sie kommt. Andere schrieben vier Seiten voll philosophischer Leh-ren oder rührender religiöser Tröstungen. Dem Schelm war es abernicht um Trost, sondern blos um die Briefe selbst zu thun, denn erverkaufte dieselben sofort an einen Autographenhändler, der ihm dasStück je nach dem Namen des Schreibers und nach dem Inhalte desBriefs mit 5 50 Francs bezahlte und dann selbst noch ein gutes Ge-schäft damit machte.