Erstes Kapitel. .
Vom Wesen des Autographen.
Nachdem die Romantik aus der düsteren'Mystik gotischer Domein die farbenreichen Schächte des deutschen Mittelalters hinabstieg,um die Ziele und Wege versunkener Welten zu schürfen, ist diePietät gegenüber den Resten der Vergangenheit ein Gemeingut desdeutschen Volkes geworden.
Wo im Kunstgewerbe neue Formen angestrebt werden, wird dasMittelalter — die Renaissance — als Zeuge heraufbeschworen; woschriftlich niedergelegte Zeugnisse versagen, müssen Steine reden,und beide — Urkunden und Baudenkmäler — erschließen wichtigeGeschichtsquellen. Darum sind allerorten Vereine und Verbändean der Arbeit, um die Überreste früherer Kulturen, Gebrauchs-gegenstände und Gerätschaften unserer Altvorderen, aber auch In-schriften und Manuskripte aus längst vergangenen Zeiten in Museenund Altertumssammlungen hineinzuretten, deren Grundstock häufigdie Privatsammlung eines einzelnen Geschichtsfreundes bildet.
„Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt!“
Wer voll Ehrfurcht zu den Männern und Frauen aufblickt, diedas Vaterland geachtet und groß gemacht haben, dem bedeutetalles, was sie an idealen Gütern hinterlassen haben, ein heiligesErbe. Was den Adelsgeschlechtern mit ihren sorgfältig geführtenHausarchiven recht ist, ist den minder Hochgeborenen billig:auch diese lassen sich in immer steigendem Maße die Nachforschun-gen nach Herkunft, Geschichte und Wesen ihrer Vorfahren, sowiedas Aufstöbern, Ordnen und Aufbewahren der für die Familien-geschichte wichtigen Papiere angelegen sein.
Die Erinnerung an die Hand, die sie niederschrieb, stempelnsolche Blätter zu weihevollen Reliquien. Haben ihre Urheber auf