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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Das von den Sammlern größten Stils geringschätzig abgetaneAlbumblatt hat vor derenPrachtstücken einen schätzbarenVorzug: weil erbeten und deshalb unmittelbar aus der Hand desUrhebers stammend, ist es unzweifelhaft echt was von jenenPrachtstücken nicht immer gilt: den Lutherbrief, dessen sie sichrühmen, hat wie gesagt Melanchthon , ihren Ludwig XIV. ,1. a. s., der königliche Kabinettssekretär, ihren Mirabeau dessenHausmeister, den Washington sein Schreiber geschrieben, undauch der Beethovenbrief rührt vielleicht von einer anderen Handher als der des großen Meisters.

Vielfach knüpft sich an den Besitz des Albumblattes eine per-sönliche Erinnerung an den Urheber, welche das Autograph mitdem Zauber besonderer Weihe umhaucht. Trotz dieser persön-lichen Beziehung läßt mich beim liebevollen Versenken in dasStammbuchblatt der Gedanke nicht los, daß ich den Wortlautdes mir gespendeten Spruches mit diesem oder jenem Sammler-kollegen teilen muß.

Demgemäß stellt der auf der ganzen Welt nur in einem Exemplarvorhandene, eigenhändige, voll Unterzeichnete,, inhaltlichbedeutsame, an eine Persönlichkeit von Ruf gerichtete, tadelloserhaltene, ungedruckte Brief eine weitere für die allermeistenSammler höchste Stufe des handschriftlichen Besitzes dar.

Fast mehr noch als das gesprochene Wort bedeutet der Briefdie lebendige, Tod und Grab überdauernde Verbindung zwischenMensch und Mensch. Kein Wunder, daß er sich seit den ältestenZeiten der höchsten Beliebtheit erfreut! Die erlesensten Geisterhaben dem Wesen, der Geschichte und der Technik des Briefesihr Augenmerk zugewendet und seine Bedeutung in begeistertenTönen gepriesen.

Michael Bernays urteilt:

So kann jeder Schriftsteller, indem er uns seine Werke vor-legt, zugleich des unschätzbaren Vorrechtes genießen, uns selbstmit seiner Persönlichkeit vertraut zu machen. Nach welchem Maßedieselbe zu messen sei, das wird sich schon aus der Gesamtheitder untrüglichen Zeugnisse ergeben, die er hier (in den Briefen)