Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Vom Wesen des Autographe».

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kein Unrecht zugefügt, keine Gewalt angetan werden, durch diesescheinbare Indiskretion außerdem sie müßten Heuchler ge-wesen sein. Edle, wahre Naturen wenn schon geneigt, nur ihrbesseres Ich zur Geltung zu bringen werden sich in ihren schrift-lichen Werken geben müssen, wie sie im ganzen Leben sind. Magdann ihr Streben nach objektiver Charakteristik noch so tüchtiggewirkt haben, immer wird sich auf die von ihnen geschildertenPersönlichkeiten, auf die Figuren, die sie verkörpert auftreten undhandeln lassen, etwas von ihrer eigenen Subjektivität übertragenhaben. Dem sinnigen, aufmerksamen Leser hat der Autor längstverraten, wie es in seinem Innern aussieht, bevor noch daran ge-dacht werden konnte, nach seinem Tode drucken zu lassen, wasvon vertraulichen Mitteilungen ausfindig gemacht wurde. Betrifftes also nicht Familiengeheimnisse, so geschieht sollt ich denkenkein Verbrechen am Hingeschiedenen, wenn man seinen Geistgewissermaßen zitiert, damit er noch einmal in irdischer Sprachezu Nachlebenden rede. Lehrreich wird solche Geisterbeschwörung-schön deshalb sein, weil sie Bilder aus vergangenen Tagen und Zu-ständen erweckt; weil sie längst vergessene Gebräuche, Förmlich-keiten, Ansichten und Meinungen darlegt, wodurch Vergleiche mitder Gegenwart angeregt werden, die sodann wieder zu Erwägungenfür die Zukunft auffordern.

Wer in geistigen Regionen gewaltet und gegolten hat, dessenBriefe wurden ihm selbst oft unbewußt natürliche Schilde-rungen dessen, was ihn umgab. Sie sind mehr oder weniger inter-essante Beiträge zur Geschichte seiner Zeit; zuverlässigere wahr-scheinlich, als manche sogenannten ,Memoiren*, deren Verfasser ihrBuch gewöhnlich erst ausputzen und zurechtmachen, seis imguten, seis im schlimmsten Sinne -. sich lobhudelnd... anderelästernd. Was der Freund dem Freunde geschrieben, das dürfenwir zwischen redlichen Leuten für redliche Wahrheit auf- und an-nehmen; das darf darum auch, wie es ursprünglich einem gewidmetwar, späterhin mehreren zugute kommen.

Manchmal leistet der Herausgeber geschichtlich oder literarischwertvoller Briefe wie Holtgi der Wissenschaft einen großen