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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Glas und Rahmen gefaßt. Das ist richtig, denn die Ausschneidungdes bloßen Namenszuges hätte den Wert des Autographen auf einMinimum herabgesetzt. Demgemäß ist seine Entwendung ebensounklug wie verbrecherisch.

Eine Kategorie von Autographensammlern trägt lediglichBilder mit eigenhändiger Unterschrift zusammen. Auchdieses Spezialgebiet hat seinen eigenen Reiz. Persönlichkeiten allerStände und Berufe, Männer des Schwertes und der Feder, Viel-genannte und Vielgeliebte im Königspurpur und im Gesellschafts-anzug grüßen aus ihrem Konterfei, für dessen Zuverlässigkeit derdaruntergesetzte eigenhändige Namenszug bürgt. Die Zusammen-stellung von Bildern der nämlichen Persönlichkeit aus verschiedenenLebensaltern bietet überdies ein besonderes physiognomischesInteresse. Autographenfr. unde, welche Bildnisse dieser Art nurnebenher sammeln, legen auf den Erwerb mehrerer Porträtsderselben Zelebrität keinen Wert, ihnen genügt ein einziges, auchnur dann, wenn sie mit der betr. Persönlichkeit ein Band irgendwelcher geistigen Gemeinschaft verknüpft oder wenn ihnen dieDargestellten das Bildnis selber verehrten. In diesen Fällen werdendie Bilder unter Glas und Rahmen gefaßt und in systematischerOrdnung aufgestellt oder an den Wänden angebracht. Geschmack-los wäre es freilich, Bilder mit Widmungen an ganz fremde Menschenzur Schau zu stellen: wenn etwa Kronprinz Friedrich Wilhelmein für seinen persönlichen Adjutanten bestimmtes und mit dessenNamen versehenes Bildnis mit Worten freundlicher Gesinnungversah und dies Bild später im Salon eines Emporkömmlings prangt!Solche Bilder gehören allenfalls in eine Mappe. Zur Aufstellungzwecks pietätvoller Betrachtung eignen sich Bilder, wenn sie nichtsweiter als den bloßen Namenszug, Titel, Ort und Datum oder diebesondere Widmung an den jetzigen Besitzer dieses bildlichen An-denkens tragen.

Wer Zeichnungen oder gar Gemälde von Menzel, Thoma,Liebermann oder Meyerheim sein eigen nennt, wird gern einBildnis dieser Künstler mit eigenhändiger Unterschrift oder garmit Widmung darunterhängen. Verehrer des preußischen Staates