Vom Wesen des Autographen.
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von einst trachten danach, die Wände ihrer Studierzimmer mitden Unterzeichneten Bildnissen Kaiser Wilhelms I. und KaiserFriedrichs III., Bismarcks und Moltkes zu schmücken.
Glücklich ist der Sammler, der ein freundliches Zimmer, in demer seine Autographensammlung und wertvollen Bücher aufbewahrt,auch mit den durch handschriftliche Bezeichnung zu kostbarenAndenken gestempelten Bildnissen liebgewordener Träger der Ge-schichte, Literatur und Kunst auszustatten vermag! Sie werdenihm angenehme Gesellschafter sein und ihn über die Kleinlich-keiten des Alltagslebens hinausheben.
Prangen diese Bildnisse an den Wänden, so grüßen hinter denFacettescheiben des Bücherschranks die Bücher mit eigen-händigen Widmungen ihrer Verfasser hervor. Wer literarischtätig ist und infolgedessen mit den führenden Persönlichkeiten derLiteratur und Kunst in Verbindung steht, wird mit solchen Büchernoft erfreut. Wertvoller freilich als diese Dedikationen zeitgenössi-scher Schriftsteller sind Erstausgaben und andere Bücher aus dergroßen Klassiker- und Romantikerzeit, zu deren Erwerb die Bücher-kataloge der Bibliophilen Gelegenheit bieten. Aber auch die Auto-graphenkataloge weisen häufig Bücher mit eigenhändigen Dedika-tionen seitens ihrer Verfasser auf. Henrici versteigerte im Mai 192tein Exemplar von „Hermann und Dorothea “ mit folgender Wid-mung von Goethes Hand:
Der HochwürdigenEleonore von SteinPröbstinn von Weizenbachglückwünschendzum zweyten May,dankbar erinnerlichdes acht und zwanzigstenAugust 1815-
Weimar , d. 2. May 1 816. Goethe.
Die erhöhte Weihe eines Werkes durch die eigenhändigenNamenszüge ihrer Verfasser findet ihre geldliche Würdigung durchden dafür geforderten höheren Preis. Ähnlich verhält es sich mit