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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Erstes Kapitel.

zur Verfügung steht, um aus seinen Untersuchungen die letztenFolgerungen zu ziehen.

Aber nicht bloß ein umfangreiches Manuskript, nicht bloßein briefliches Selbstbekenntnis, sondern auch ein einfaches Pri-vatschreiben, ja sogar ein Billet von kaum drei Zeilen kann zuwissenschaftlicher Betrachtung und lohnender literarischer Aus-beute Anlaß geben, wenn sich der Autographensammler dieMühe nicht verdrießen läßt, dem Woher ur.d Wohin seinesObjekts nachzusinnen.

Erwarb ich da auf einer Versteigerung ein bis dahin unge-drucktes BUtt von Goethes Hand:

Unterzeichneter erbittet sich das heute an Herrnvon Holtei in Berlin aufgegebene Paket von Löbl.Postamt wieder zurück.

Weimar , d. 28. Juni 1828.

J. W. v. Goethe.

Sogleich drängte sich mir die Frage auf: Was war in demPaket?

Es war mir möglich, an der Hand der im Goethe-Schiller-Archiv ruhenden Briefe Holteis an Goethe und der in der gro-ßen Sophien-Ausgabe abgedruckten Antworten festzustellen, daßdas Paket eine Holteische Bearbeitung von Goethes Faust ent-hielt, anscheinend mit einem etwas wenig freundlichen Begleit-schreiben von Goethes Hand. Auf Veranlassung von GoethesSohne August, der mit Holtei befreundet war, ließ sich Goethe das Paket zurückkommen, um es am 1. Juli mit einem neuenfreundlichen Begleitschreiben an Holtei abzusenden 1 ).

Einzelne Manuskriptseiten ohne Signatur des Verfassers sindFragmente und stellen für den zielbewußten Sammler kaum locken-de Ziele dar. Er wird solchen Blättern ein eigenhändiges Stamm-buchblatt oder einen Brief mit Unterschrift allemal vorziehen.Noch schlimmer ist es, wenn unverständige Nachlaßpfleger Manu-

l ) Vgl. meinen AufsatzWas war in dem Paket? in derAuto-graphen-Rundschau, S. Jahrgang, Heft 6 und 7.