Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Vom Wesen des Autographen.

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skripte zerschneiden und zeilenweise an Autographenbittstellerverteilen. Den Höhepunkt der Autographenschändung stellt hier-bei ein vor mir liegendes Stammbuchblatt von Goethe dar. Esumfaßte ursprünglich fünf Zeilen und Goethes Namenszug:

Luther .

Ueber die Seelen kann und will Gott niemand lassen regieren,denn sich selbst alleine.

Das Blatt fand sich in Zelters schriftlichem Nachlaß. Einerseiner Erben schnitt die ÜberschriftLuther und die erste Zeilesowie die UnterschriftGoethe ab und verschenkte die dreiStreifchen Papier , nachdem er das Mittelstück sorgfältig auf einBlättchen geklebt und den abgetrennten oberen Teil fein säuber-lich faksimiliert hatte!! In rührender Ahnungslosigkeit bekennt erauf der Rückseite dieses autographischen Torsos:Ich hatte dieerste Zeile für einen Bekannten abgeschnitten und mit treuerNachahmung von Goethes Schrift ergänzt. "Well roared, lion!

Ein Handschriftenfreund, der sich des wahren Wesens einerSammlung bewußt ist, lehnt ein solchesGoethe-Autograph alsvöllig wertlos ab.

Wie das mit eigenhändiger Widmung versehene und darumseltene Buch die Grenzlinie zwischen dem Autcgraphensammlerund dem Bibliophilen darstellt, so wandelt sich der Handschriften-freund zum Kunstsammler, wenn er eine Abteilung seinergraphi-schen Schätze den Handzeichnungen widmet. Die Zeichnungbedeutet das ureigenste Autograph des Malers, wie Franz Stuck es mit dem Spruch kennzeichnet:

Was ich zu sagen habe, das male ich.

Indessen wird es kaum Sammler mit bescheidenen Geldmittelngeben und diese bedürfen vor allem der Anleitung zu genuß-reichem, sachgemäßem Sammeln, welche kostbare Autographenund Handzeichnungen zusammenzutragen vermögen. Das Auto-