Wie erwirbt man Autographen?
87
„Wie denken Sie über Bismarck?“, „Die Vivisektion im Urteil derGegenwart“, „Der wissenschaftliche Wert der Graphologie“, „Wiedenken Sie über Schnitzlers ,Reigen“?“ usw. Auch die Beiträge,welche für ein Selbstschriftenalbum zugunsten wohltätiger Zweckeeingingen, wandern nach erfolgter Reproduktion meistens zumAntiquar.
Unter der Maske des bibliophilen Autographensammlers bittenjunge Leute Schriftsteller um Eintragung ihrer Namenszüge inExemplare ihrer (d. h. der Schriftsteller) Werke, um diese gleich-falls zu veräußern. Einem jungen Mädchen bot ein Berliner Verlagfür ein mit dem Namenszuge von Rabindranath Tagore versehenesBuch 600 M; mit dieser Summe aber war die geschäftstüchtigeAuch-Sammlerin nicht zufrieden!
Was soll man aber dazu sagen, wenn der Redakteur einer Zeit-schrift für Leute von der Feder Dichter und Gelehrte um Bücherund Autographen „zugunsten notleidender Schriftsteller“ bittetund diese Wertgegenstände nachher seinem Sohne, einem Studen-ten, für eine Kleinigkeit zum Verkauf übergibt? Albert Einstein gab bereitwillig die Niederschrift seiner am 5. Mai 1920 in Leidengehaltenen Antrittsvorlesung „Äther und Relativitätstheorie“ her(11 Seiten Folio). Der Student zahlte für das kostbare Manuskript— angeblich — 500 M. und trug es sofort zum Händler, der dafür3000 M. entrichtete. Bei der Versteigerung erzielte das Autographdie doppelte Summe.
Sammler und Nichtsammler, welche Gelegenheit haben, in derGesellschaft mächtiger und ruhmgekrönter Persönlichkeiten zuweilen, vielleicht gar an ihrer Tafel zu speisen, werden ganz selbst-verständlich im Verlauf der anschließenden zwanglosen Unter-haltung um „ein handschriftliches Andenken an diese Stunde“bitten. Wenn Ludwig Ganghofer als Gast des Großen Haupt-quartiers Hindenburg und Ludendorff bat, ihre Namenszügeauf seiner Tischkarte zu verewigen, so konnte man es der Generals-tochter nicht verdenken, wenn sie dem anläßlich eines Manöversoder einer Jagd im Hause ihres Vaters bewillkommn eten Landes herrn ihr Album zur Einzeichnung vorlegte. Kaiser Wilhelm II ,