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Zweites Kapitel.
Personen sich hei einer Berühmtheit für ihre Gewährung verwenden,hat eine Autographenbitte fast immer Erfolg. Vor mir liegt einSchreiben des Marschalls Canrobert an die Baronin Moritzvon Hirsch:
Madame et ch£re Baronne,
La personne qui veut bien d£sirer avoir mon autographe,ne pouvait douter de l’empressement avec lequel j’accueillerais lademande pr£sent£e par vouz chdre Baronne, qui en m’honorant devotre precieuse amitie, deigna agrder le respectueux et bien serieuxhommage de l’affectueux devouement de votre serviteur
Mal Canrobert.
Einfacher als diese Inanspruchnahme von Beziehungen undEmpfehlungen, noch dazu durchaus erfolgversprechend, ist dieVeröffentlichung und Zusendung eines die Berühmtheit oder einesihre Werke behandelnden wissenschaftlichen Buches oder Auf-satzes. Der Adressat wird die Übersendung einer derartigen litera-rischen Arbeit über ihn unzweifelhaft mit ein paar freundlichenZeilen des Dankes quittieren, die häufig genug den Auftakt zu einerinteressanten Korrespondenz und sogar zu persönlicher Bekannt-schaft bedeuten.
Erfolgversprechend sind auch die Gesuche, in denen der Ab-sender ernsthaft einen Rat, ein Gutachten erbittet. Der Empfänger,auch wenn er sehr beschäftigt ist, sieht derartige Anfragen eben alsFolge Erscheinung seines literarischen, wissenschaftlichen oderkünstlerischen Rufes an und versagt nur selten die Beantwortung.Graf Budan glaubt, daß auf einen gut stilisierten, ein eigen-artiges Thema anschlagenden Brief mindestens 50 % ausführ-liche Antworten eingehen; 10% der Antworten sind ausweichend,d. h. der Autor bedauert, nicht in der Lage zu sein, die gewünschteAuskunft zu geben. Die übrigen Adressaten antworten gar nicht.Immerhin hat die Handschriftensammlung eine Vermehrung er-fahren, die sich um so wertvoller gestaltet, als ja alle die eingegange-nen Antworten denselben Gegenstand behandeln. Nach Jahrenfreilich prangen diese Äußerungen häufig im Katalog des Händlers: