Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
JPEG-Download
 

Wie erwirbt man Autographen?

93

Sammlung 211 begründen vermag. Seine Antwort auf die Fragenach dem Erwerb von Handschriften wird demgemäß lauten:

Tu Geld in deinen Beutel, kauf dir welche!!

Etwas ungewöhnlich, aber immerhin durchaus einwandfrei, istdie Anfrage an die Erben einer Berühmtheit, ob sie geneigt wären,solche gegen Entgelt abzugeben. Hierbei gibt es freilich für denNichtkaufmann kein Feilschen und Handeln: die Selbstachtung undder Respekt vor dem berühmten Namen, dessen Papiere möglicher-weise zur Einsichtnahme vorgelegt werden, erfordern es, den vonden Erben festgesetzten Preis zu entrichten, auch wenn dieser dentatsächlichen Wert der Stücke übersteigt. Wer Gelegenheit hat,eine ganze Korrespondenz zu erwerben, sollte dies, ohne sich zubesinnen, tun: er wird in den Briefen manches für seine SammlungGeeignete finden; Dubletten und für ihn Ungeeignetes kann er un-schwer abstoßen. Daß es sich beim Ankauf eines solchen hand-schriftlichen Nachlasses durch einen Privatsammler nicht um einGeschäft handeln kann, ist klar. Der Sammler ist kein Händler;es kann ihm aber niemand verdenken, von einer guten Gelegenheitzu preiswertem Autographenerwerb Gebrauch zu machen. Manch-mal ist eine solche Gelegenheit freilich nicht besondersgut, wennnämlich die Nachlaßpfleger ihr handschriftliches Erbteil allzu hochbewerten (und diese Möglichkeit liegt bei Nichtsammlern häufigvor!).

Während beim Briefmarkensammeln der Austausch vonStücken eine wichtige Rolle spielt, kommt dies Mittel für den Hand-schriftenfreund kaum in Betracht. Infolgedessen sind bisher alleVersuche, die Autographensammler zwecks Austausches ihrerDubletten zu organisieren, gescheitert. Es fand sich zwar Bereit-willigkeit und Gelegenheit, aber keine Möglichkeit zum Austausch;es fehlte vor allem ein zuverlässiger Maßstab für die Bewertung derTauschobjekte. Da von stereotypen Urkunden und ein paar Aus-nahmen abgesehen zwei Autographen selten einander gleich sind,so läßt sich auch für ein einzelnes Stück kaum je ein einheitlicherPreis festsetzen. Es richtet sich der Taxwert nach der Bedeutungdes Urhebers, nach der Seltenheit, dem Inhalt, dem Umfang und