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Drittes Kapitel.
Interessant war es jedesmal, den würdigen Pastor über die Artund Weise erzählen zu hören, wie ihm seine Schätze zuflossen.Erfuhr er vom Vorhandensein eines wertvollen Autographen, sowar ihm jedes Mittel recht, um sich in seinen Besitz zu setzen. Eskam ihm nicht darauf an, für ein Autograph eine Predigt zu halten!
In Deutschland hatte dieser Sammelkünstler sein Gegenstückin dem Staatsbeamten Dr. Max Wüstemann zu Ohrdruff inThüringen .
Seine (1890 versteigerte) Sammlung war qualitativ gewiß nichtdie bedeutendste, wohl aber hinsichtlich der Anzahl der in ihrvertretenen Namen und Objekte. Obwohl zum Zweck der Ver-steigerung eine ganze Anzahl von Stücken zu Konvoluten zu-sammengefaßt wurden, wies der Katalog 2697 Nummern auf, unterdenen mehrfach eine Katalognummer ganze Korrespondenzenenthielt.
Wüstemann hat in den vierzig Jahren seiner Sammeltätigkeitkaum je ein Autograph gekauft; er hat sich andererseits auch nieein Albumblatt erbettelt. Was er aus den Nachlässen seines Vaters,der Maler Vogel von Vogelstein , E. A. Klein, Schleich ,Rugendas , Quaglio und Montmorillon, des Bildhauers Dannecker , des Hamburger Theaterdirektors Schmidt, fernervon Friedrich von Gentz , Fürst Metternich , Professor Eich-städt und von dem Dichter Adolf Bube durch Erbschaft über-nahm, sichtete er. Dubletten gab er an Zunftgenossen, weiter undkonnte somit seiner Sammlung Friedrich den Weisen, Fried-rich I., Karl XI1-, Goethe (io Nummern), Schiller , Schubart,Hölderlin , Lenau , Frl. von Göchhausen, Beethoven ,Mozart , Kant, Herder, Wieland, Hegel, Fichte, Schu-mann und viele andere schöne Autographen einverleiben.
Gute Verbindungen und Kenntnis der zeitgenössischen Sammlerund ihrer Spezialgebiete ermöglichten es dem bescheiden bemittel-ten Dr. Wüstemann — wie gesagt — Beamter, nahezu sämtlicheNamen berühmter Zeitgenossen, aber auch obige Zelebritäten derVergangenheit im Autograph zu vereinigen. Daß ihm die Samm-lung von den Porti für Korrespondenzen abgesehen — keinerlei