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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Fischer von Röslerstamm hat ganz recht, wenn er be-hauptet, es gebe Sammler, welche nicht zehn Namen ihnen be-kannter Sammler an den Fingern herzuzählen imstande sind, dienur oft eine dunkle Kunde davon besitzen, daß in ihrem Wohnortnoch ein oder mehrere Autographenliebhaber wohnen, die erst ausden Zeitungen gelegentlich durch Notizen über eine Auktion er-fahren, daß die Sammlergilde fürstliche Persönlichkeiten, Staats-männer und Gelehrte zu ihren Mitgliedern zählt, und die die Namenbedeutender Sammler erst kennen lernen, wenn ihre Träger ver-storben sind und ihre Schätze unter den Hammer kommen.

Die Versuche, die Sammler inGesellschaften zu organisieren,sind infolge der Einzigartigkeit jedes Autographen in Deutsch­ land wenigstens gescheitert. Daß dennoch Sammler einanderbesuchen und beim Betrachten ihrer resp. Schätze ihre Erfahrungenaustauschen, ist klar. EinAutographen-Kaffeekränzchen wiees allen Ernstes unser Altmeister Fischer von Röslerstamm vor-schlägt ist hierzu nicht erforderlich. Das Prunken mit den vonzeitgenössischen Berühmtheiten erbetenen Schriftproben sei getrostden Autographenjägern überlassen, welche Autographen als Nach-tisch servieren. Schon aus der Art, wie sie mit ihren Sammlüngs-objekten umgehen, wie sie deren Betasten jedermann gestatten,ist ersichtlich, daß es sich nicht um wissenschaftliche Sammlerhandelt; unsere Pietät gegenüber dem Autographen erblickt in derBerührung der Blätter durch Fremde eine Entweihung von derFurcht vor etwaiger Beschädigung durch den kleinsten Schmutz-fleck ganz zu schweigen!

Um zu zeigen, wie der ernsthafte Autographenfreund seineSammlung nicht behandeln darf, sei hier der Anfang eines Auf-satzes von Anna Julia Wolff,Wie man Autogramme sammelt,abgedruckt:

Das Mädchen hatte den Teetisch abgeräumt, Zigaretten, Likörund allerlei Naschwerk aufgetragen; es war also die richtige Zeitund Stimmung, um wieder einmal mit meinem ,Clou, der großen,inhaltsschweren Autographenmappe, aufzuwarten. Nun gingendie kostbaren Briefe und Blättchen von Hand zu Hand, und der