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Viertes Kapitel.
Während sich in Deutschland die Schrift an die strenge, einfacheForm der lateinischen Antiqua anlehnt, nehmen die Schriftzüge derPlantagenets eine Form an, welche an die Zieraten der Waffen undHarnische erinnern,, so bei Eduard IV. , dem ältesten BruderRichards III. Sein Namenszug ist einem Wappenschilde ähnlich.Unter den Tudors wird die Schrift deutlicher und fließender; nurdie Unterschriften sind zuweilen noch monogrammartig. 1 )
Maria Stuart schrieb Fraktur, Elisabeth Antiqua, wobeidiese Königin ihren Namenszug mit einem Schnörkel versah, wel-chen Leicester, Essex sowie die Kurfürstin Elisabeth vonder Pfalz, die Tochter Jakobs I., bei ihren eigenen Unterschriftennachahmten. Shakespeare bevorzugt die gotische Schriftform,also Fraktur, sein Zeitgenosse Ben Jonson Antiqua . DieseSchriftart wird von Jakob I. an herrschend.
Die erwähnten Schnörkel wurden aus dem Gefühl einer gewissenPietät heraus von Verwandten und Freunden selbst bei Antiquabeibehalten. Eine entsprechende Ehrung bedeutete die Verknüpfungeines fremden Anfangsbuchstabens mit dem eigenen Namenszuge:Katharina von Arragonien, Anna Boleyn , Jane Sey-mour und Kateryn Parr verwoben das H des Namens Hein-rich. VIII. mit ihrem Namen;- Kurfürst Friedrich von der Pfalz nahm das E seiner Gemahlin Elisabeth in seine eigene Unterschriftauf, während Gustav Adolf in den Namen Adolf den Anfangs-buchstaben E seiner Jugendgeliebten Ebba Brahe , der späterenGattin des Generals Jakob Pontus de la Gardie, einflocht.
Daß von den genannten fürstlichen Personen des 14. und 15- Jahr-hunderts Autographen vorhanden sind, ist ein Beweis dafür, daßman sie sammelte. Man trug sie freilich weniger aus Gründen derPietät oder des Patriotismus als aus solchen der Politik zusammen:Verträge, Gesetze und andere amtliche Verfügungen wurden ebensoohne Rücksicht auf die Allerhöchsteigene Unterschrift in den Ar-chiven auf bewahrt, wie es für die adligen Familien einen Akt der
1 ). E. Hess,. „Anknüpfungspunkte“. Organ für Autographensammler.1859, Nr. 6.