Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
JPEG-Download
 

öeschichte des Autographenwesens.

147

bzw. geistlichen Personen ließen ihren Bedarf an Kanzleipapier inbestimmten Papierfabriken herstellen und setzten ihre Emblemeals Kennzeichen ihrer Spezialmarken fest. Nur so ist das gleich-zeitige Verschwinden jener die Unterschrift vertretendenHand-male und das Aufkommen der Wasserzeichen zu erklären.

Mit der Einführung der Buchdruckerkunst wuchs die Freudeam geschriebenen Wort. Aufrufe auch wenn sie durch Druck ver-vielfältigt wurden gewannen ihre gesetzliche Kraft erst durchdie eigenhändige Unterschrift des Landesherrn. Da aber den Für­ sten Turniere, Jagden und andere ritterliche Übungen weit eherzusagten als die mechanische Eintönigkeit am Schreibtisch, soließen sie ihren, Namenszug bzw. die Schnörkel oder ^Paraphen,die ihn darstellten, in Holzschnitt faksimilieren und mit diesem

*V\M

Abb. 36. Sebastian Brant .

Stempel die in ihrem Namen ausgefertigten Urkunden versehendas erste Autographenfaksimile 1

Kaiser Maximilian I. bestätigte seine Verfügungen mittelseines solchen Stempels, falls er nichtper regem Unterzeichnete;ebenso Karl V. , dessen StereotypCarolus mit der eigenhändigenUnterschriftYo el rey abwechselte. Vermutlich haben sich dieKönige Ludwig XII1. und Ludwig XIV. , sicherlich der MinisterColbert , eines solchen ihren Namenszug faksimilierenden Stem-pels bedient.

In Frankreich Unterzeichneten Könige, Feldherren und Staats-männer bereits im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts eigenhändig.In England etwas früher. Das British Museum verwahrt Unter-schriften des Königs Richard II. (13771399); Familienbriefetauchen erst unter der Regierung König Heinrichs V. (1413 bis1422), also im Anfang des 15- Jahrhunderts, auf.

io