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Viertes Kapitel.
- Ungefähr gleichzeitig tauchen auch in Deutschland die erstenAutographensammler auf: der Schlesier Thomas von Rehdigerund Striesa (1540—1576) und der Nürnberger Ludwig Came-rarius (1573—1651 ) x )-
Angeregt durch Joh. Jakob Fuggers großartige Bibliothek-stiftung für Augsburg, trug Rehdiger auf seinen Reisen, die ihn mitzahlreichen bedeutenden Zeitgenossen Deutschlands , Frankreichs ,Englands, Italiens und Hollands in Berührung brachten, eine großeBüchermenge zusammen, um sie seiner Vaterstadt Breslau zuschenken. Die persönlichen Beziehungen und Bücherankäufe hatteneine ausgebreitete Korrespondenz zur Folge. Rehdiger hob die ein-gegangenen Briefe sorgfältig auf und vermehrte sie um anderewertvolle Autographen aus dem Besitz des Arztes Johannes
Abb. 37.
Crato von Crafftheim. In neun Bänden verwahrte er Auto-graphen von Andreas Aurifaber (23 Briefe), Theodor Beza ,Tycho de Brahe , Calvin, Erasmus von Rotterdam ,Nikodemus Frischlin, Martin Luther (15), Melanch-thon (78), Peucer (16), Zach. Ursinus (97). In den Briefen derSöhne von Paul Luther an Crato ist einmal die Rede davon, daßman schon damals mit Handschriften von Luther und MelanchthonHandel trieb und daß geistig und gesellschaftlich hochstehendeMänner einander diese Handschriften „als Zeichen besonderer Hoch-achtung und Dankbarkeit“ verehrten.
Camerarius legte aus den Briefbeständen seines Vaters undseines Großvaters eine umfangreiche Autographensammlung 1 ) an,von der er mit Stolz rühmt:
*) Über die Autographensammlung der’Camerarii: Hahn, K., „Diehandschriftliche Sammlung der Camerarii in der Staatsbibliothek zu