Geschichte des Autographenwesens.
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„Inter alias literarias delicias collegi multis voluminibus ingen-tem numerum epistolarum a Claris doctisque viris, tarn Theologisquam Politicis omnium nationum superioris seculi, propriis ipsorummanibus exaratorum... Fateor profecto, me in legendis et con-siderandis sanctorum bonorumque prisci aevi candore et integritateeximiorum virorum epistolis summam voluptatem percipere.“
Im Beginn'seiner Sammeltätigkeit meldet er hocherfreut seinemSohne, er habe „schon etliche dreihundert ocuTcSyp«?« von gelehrtenund berühmten Männern, die seit 1500 gelebt haben, aus Deutsch land , Holland und Frankreich gesammelt.“ Der Sohn solle —wenn möglich — auch von seiner schwedischen Reise Autographenvon Luther und Bugenhagen mitbringen. Ludwigs Sohn Joachimführte nach des Vaters Tode die Sammlung weiter, die jetzt dieVolumina 6—20 der 67 Bände umfassenden Handschriftensammlungder Camerarii in der Münchener Staatsbibliothek bildet. Luther ,Erasmus, Zwingli, Oecolampadius, Calvin, Beza, JustusJonas, Pirckheimer, Martin Opitz , Jul. Caesar Scaliger ,Reuchlin, Katharina von Medici , J. Aug. de Thou, Phi-lipp Sidney, William Cambden sind in dieser gewaltigenSammlung vertreten.
Ein „Catalogus Manuscr. Bibliothecae Camerariorum“ (in £erDresdener Staatsbibliothek befindlich) zeigt den ursprünglichenUmfang der Sammlung auf. Dies erste bekannte Verzeichnis einerdeutschen Autographensammlung ward — wie Mor-Sunnegg ver-mutet — von den Erben der Familie Camerarius zwecks Verkaufsdes ganzen Briefbestandes aufgenommen.
Im Gegensatz zu diesen autographischen Schätzen, die mehr dieFreude am Brief — gleichviel, ob von berühmtem oder minder be-rühmtem Absender — widerspiegeln, scheint Philippe de B6-thune der erste bewußte Autographensammler gewesen zu sein.Im Verein mit seinem Sohne Hippolyte ordnete er die Papiere des