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Viertes Kapitel.
wasser des antiquarischen Buches. Mit dem Versteigerungskatalogdes Hauses Pluquet (1822), der die Dubletten von Villenave auf denMarkt brachte, löste sich das Autograph endlich aus den Mutter-armen der zu versteigernden Bibliothek. Systematisch nach Län-dern und Jahrhunderten geordnet, umfaßte der von Villenaveselber angefertigte Katalog 143 Nummern. Aber ebenso wenig wiesein Vorgänger hatte der mühevoll hergestellte Katalog Verbreitunggefunden. Dementsprechend war auch die Beteiligung gering. DieStücke wurden wenig begehrt, so daß Villenave sich genötigt sah,den größten Teil zurückzunehmen.
Nr. 1 war ein Freibrief des Herzogs Robert von der Nor-mandie aus dem Jahre 1088. Er erzielte 51 Fr. Ein Brief Lud-wigs XIV. kam auf 44,95 Fr., einer von Mazarin dagegen auf 64 Fr.Turenne wurde mit 61,05 Fr. bezahlt, ein Brief Ludwig XVI. anMalesherbes mit 125 Fr. Fast eben so hoch'wurde ein Brief derMarie Antoinette bewertet, nämlich mit 120,05 Fr. Für ein Doku-ment mit der Unterschrift „Bonaparte“ wurden 20,05 Fr. bezahlt(ein Preis, der für ähnliche Napoleonunterschriften bis kurz vordem Weltkriege konstant blieb).
Ungefähr gleichzeitig fand die Versteigerung der Sammlung desMarquis Germain Garnier statt. Ein großer Interessentenkreisverfolgte diesmal ihren Verlauf, sogar König Ludwig XVIII. hatteseinen Bevollmächtigten entsandt. Den „Clou“ der Auktion bildeten28 Briefe der Frau von Maintenon an Ludwig XIV . und einzehn Seiten langes Schreiben des Königs an seine Gemahlin. KönigLudwig XVIII. kaufte diese Briefsammlung für 14000 Fr., umsie der Bibliothek des Louvre einzuverleiben. Bei der Versteigerungkamen ferner neun Briefe der Frau von S6vign6 an Herrnvon Hacqueville, acht Briefe an ihre Tochter unter den Hammer,ebenso ein Brief der Maintenon an Richelieu , 40 Briefe vonVoltaire , drei Briefe von Buffon, zwei Briefe von George Washington .
Die geringe Beteiligung der Öffentlichkeit an den Versteigerungenhat nichts Auffälliges, wenn man bedenkt, daß man die gewünschtenAutographen anderweitig nicht bloß „unter der Hand“ sondern