Geschichte des Autographenwesens.
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Sammlung in seinen „Memorie di Religione, di Morale e di Lettera-ture“ wissenschaftlich ausgebeutet. Kataloge erschienen. Litho-graphische Nachbildungen erregten allgemeines Interesse. DieReproduktion einer drei Zeilen langen Quittung von Correggio lieferte das Material zu einer gelehrten Abhandlung von Fabriani:„Lettera de M’Abbate Severino Fabriani al Padre Luigi Pungi-leoni sopra un Autografo di Antonio Allegri , riguardante la famosatavola della Notte“ (Modena 1833).
Von den Ländern deutscher Zunge ging Österreich in der Kunstsystematischen Autographensammelns voran.
Als im Jahre 1814 in Wien die „Gesellschaft der Musikfreundedes österreichischen Kaiserstaates“ ins Leben trat, legte sich dieseVereinigung ein Archiv und eine Bibliothek an. Massenhaft liefertendie „Freunde der Musik“ hierzu gedruckte und handschriftlicheBeiträge, so daß das Archiv bald über eine der reichhaltigstenSammlungen von Musikerautographen — Briefe und Tonschöp-fungen — verfügte. Bach, Gluck, Mozart („Freimaurerkantate“,komponiert am 15- November 1791, und das „Requiem“), Haydn („Zehn Gebote “), Beethoven (83 Briefe an den Erzherzog Rudolf ),Schubert (der gesamte handschriftliche Nachlaß), Chopin , Haldvy,Lachner, Marschner, Nicolai, Meyerbeer , Mendelssohn, Weberwaren in dieser kostbaren Sammlung vertreten.
Eine eigenartige Note trug die Direktion (1826) in ihr Archivhinein, indem sie sämtliche Tonschöpfer deutscher Zunge um dieeigenhändigen Niederschriften ihrer Biographien ersuchte. Ebensosammelte sie gedruckte und geschriebene Musikalien, welche dieVerfasser mit eigenhändigen Widmungen versahen. MancherKomponist vermachte dem Archiv letztwillig seinen handschrift-lichen Nachlaß an Kompositionen.
Was die „Gesellschaft der Musikfreunde “ zunächst privatim tat,das vollzog, ebenfalls in Wien , Graf Moritz von Dietrichstein,indem er an der k. k. Hof- und Staatsbibliothek in Wien eine eigeneAutographenabteilung einrichtete. Die Bibliothek besaß bereitsaußer den Manuskripten des „Weisskunigs“ und des „Theuerdanck“die Urhandschrift von Tassos „Gerusalemme Conquistata“, einen