Geschichte des Autographensesens.
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eine eigene Kunst- und Autographenhandlung in Berlin zu er-öffnen.
Während Liepmannssohn neben den Autographen dasMusikantiquariat pflegte, Breslauer das seltene Buch, RautheBuch und Graphik, Perl Luxusdrucke und moderne Kunst führte,bevorzugte Henrici Graphik der englischen und französischen Schule des 18. Jahrhunderts. Von jeher war das Autograph seinLieblingskind, und dadurch, daß er jedes seiner Lagerobjekte mitdem Auge der Liebe betrachtete und sich in die Psyche des Sammlershineinzuversetzen verstand, diesen beratend, jenen ermunternd, inallen Fällen aber entgegenkommend und hilfsbereit, erwarb er sichbald nicht bloß das unbegrenzte Vertrauen sondern vor allem dieFreundschaft seiner Kunden.
Seit der Mitte des 19- Jahrhunderts hatte sich auch in Deutsch land der Kreis der wissenschaftlichen Autographensammler ständigvergrößert. Der junge Puhlmann in Potsdam war als General-arzt ein nicht minder eifriger Sammler wie einst in der Kindheit,als er Schill um einen Siegelabdruck bat. Die Söhne des Buch-händlers Weigel in Leipzig , zu deren Sammlung Goethe Beiträgespendete 1 ), übernahmen ihre Sammelobjekte als Grundstock für ihreigenes Autographengeschäft; für den Rentamtmann Preusker,der bereits seit 1805 sammelte, stellte die Aufhäufung handschrift-licher Schätze die Brücke dar von sammelfroher Jugend bis in dashohe Alter.
Zu diesen frühen Sammlern gesellten sich der herzogliche Biblio-thekar Ludwig Bechstein in Meiningen , Felix Mendelssohn- Bartholdy , der für seine Braut sammelte (Spohr ersucht erum ein Lied in seiner eigenen Handschrift: „Und wenn es auch nurein ganz kurzes Liedchen sein könnte; wenn Sie es nur geschriebenhaben und Ihren Namen darunter“), Karl von Holtei in Graz ,Guizot , Victor Cousin , Sainte-Beuve, Mignet, die BrüderGoncourt in Paris ; Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gothaund sein Bruder Albert, der die Liebe zum Autographensammeln
*) Vgl. S. 165 und 219.