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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Geschichte des Autographenwesens. 191

erste Versteigerung (29. Mai 1922) einen vielversprechenden An-fang bedeutete.

Zwischen diesen Autographenverkäufen klaffen die größtenGegensätze, die der Autographenmarkt je verzeichnete, hatte dochder Weltkrieg das wirtschaftliche Leben Deutschlands und derganzen Welt völlig umgestaltet.

Welch ein Unterschied zwischen den Preisen von 1914 unddenen von 1922!

Bei der Autographenversteigerung aus Erich Schmidts Besitzerzielte ein Manuskript von Heinrich von Kleist denhöchstenPreis mit 860 M. (für welchen 1922 kaum ein von diesem Dichterunterschriebenes Blatt zu haben war!). Auch die anderen Blättervon der Hand des Dichters erzielten nach damaligem Geldwerthohe Preise: 300 M. ein für seine Freundin Henriette vonSchlieben ausgefertigtes Stammbuchblatt, 350 M. ein Brief anFouqud und 285 M. ein Schreiben an den Verleger Georg Reimer .Ein Brief Schillers aus dem Jahre 1783 wurde mit 560 M. bezahlt;ein Hölderlin-Manuskript (Fragment aus demHyperion )erzielte 260 M. 225 M. kostete ein eigenhändiges Gedicht vonUhland. Eine Sammlung von 71 Briefen von C. F. Meyer erwarbdas Germanische Museum für 240 M.

In den ersten Monaten des Weltkrieges waren die Preise fürAutographen erheblich gesunken: im November 1914 konnte manein schönes Len au-Manuskript für 100 M. erhalten und bekamnoch ein Albumblatt von Schlegel kostenlos hinzu. Ein Stamm-buchblatt von Kant kostete 90 M., ein eigenhändiges Gedichtvon Körner 100 M ein hübsches Albumblatt von J. P. Hebel,mit der Silhouette des Dichters versehen, 18 M. usw.

Ein wahres Dorado für Autographensammler stellte die Ver-steigerung der Sammlung Bratring dar: die hier erzielten niedrigenPreise waren kaum je in der Vergangenheit gezahlt worden undwerden ganz sicher nie wieder notiert werden, solange ein Auto-graph den Gegenstand des öffentlichen Handels darstellt. EinSonett von Körner auf zartrosafarbenem Briefbogen fand nichteinmal für 42 M. einen Käufer; eines hübschen Albumblattes von