Geschichte des Autographenwesens.
195
Besuchern — und das waren recht viele—bestimmte Wissensgebietein den Autographen ihrer Hauptvertreter vorzuführen. Unter demGesichtspunkte „Vier Jahrhunderte Naturwissenschaften“ legte siein ihrem hellen, luftigen Schausaal charakteristische Dokumenteder für die Geschichte der Naturwissenschaften bedeutsamstenNaturforscher — einschließlich der Mathematiker und Astronomen— vom 16. Jahrhundert bis zum Jahre 1860 aus und weckte dadurchin weiten Kreisen Interesse für die Geschichte der Naturwissenschaf-ten im besonderen und für das Autograph und Autographensammelnim allgemeinen! 1 )
An der „Sammlung Darmstädter“, die der Besitzer, ProfessorLudwig Darmstädter , mittels Stiftungsaktes vom 31. Dezember1907 der Preußischen Staatsbibliothek überwies, wird Wert undWesen einer Handschriftensammlung in der glücklichsten Weisedargetan.
J ) Für die Popularisierung des Autographenwesens ist in Deutschland
— außer den gekennzeichneten gelegentlichen Ausstellungen — weniggeschehen. Nicht nur im British Museum , sondern auch in Frankreich werden in fast allen Museen Autographen zur Schau gestellt. Dem Auto-graph dient sogar ein eigenes Museum, das „Musfe des archives nationales“in Paris . Seine Schätze sind im alten Palais Guise untergebiacht. ln sechsSälen liegen dort die kostbarsten Stücke zur Schau aus. Von Lothar I. (625) bis Napoleon I. sind alle französischen Machthaber mit Urkundenund wichtigen Schriftstücken vertreten, an denen herrliche Wachssiegelhängen.
Das Musde Carnavalet bewahrt Urkunden zur Geschichte von Paris auf, deren Besichtigung jedem Interessenten freisteht. Die BibliothÄqueNationale besitzt die Autographen der großen französischen Schrift-steller vom siebzehnten bis neunzehnten Jahrhundert: Racine, Rabelais ,Montaigne , Rousseau , Lafontaine. Moliäre ist leider nur durch eineQuittung vertreten.
Immerhin erweisen auch in unserem Vaterlande Museen und Bibliothe-ken dem Autograph die ihm gebührende Ehre. Das Germanische Museum in Nürnberg , die Lutherhalle in Wittenberg , das Geheime Staatsarchivund die Dokumentenabteilung der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin
— vom Goethe-Schiller-Archiv in Weimar und vom Klopstockhaus inQuedlinburg ganz zu schweigen — haben in den letzten Jahren ihreAutographenbestände recht erheblich vermehrt.
13