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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Goethe als Autographensammler.

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Herrn Doktor Motherby sage ich den aufrichtigsten Dank fürdie mir gütig verehrten Blätter Kantischer Handschrift. Ich werdesie als Seltenheiten, ja als Heiligtümer bewahren und mich dabeiso oft des Verewigten, dem wir so viel schuldig sind, und jenerFreunde erinnern, die in seinen alten Tagen so treulich an ihmhielten. Mich zu geneigtem Andenken empfehlend

Weimar , den l.März 1810. Goethe.

Goethe hatte alle Ursache, dies Erinnerungszeichen an Kant alseine besondere Kostbarkeit zu verehren, war es doch nichts mehrund nichts weniger als der Anfang der SchriftZum ewigen Frie­ den !

Nachdem er einen Schatz von etwa 500 Autographen zusammen-getragen hatte, unter denen sich ein Stammbuch mit der Ein-tragung von Maffei, sowie Handschriften von Calvin und Me-lanchthon, Beethoven 1 ), Keppler, Thomasius, Leibniz ,Moses Mendelssohn und Hegel befanden, ließ er abermalsseinen alphabetischen Autographenkatalog durch Druck verviel-fältigen und legte jedem Brief an seine Korrespondenten, von denener eine Bereicherung seiner Sammlung erhoffen durfte, einen Abzugdieses Verzeichnisses bei, welches er mit der handschriftlichen Be-merkung versah:

Mit Bitte um gefällige Beiträge.

Am 25. November 1811 schrieb Goethe an Karl Bertuch:

Ew. Wohlgeboren

übersende hiebey das Namensregister meiner Autographa mit demErsuchen, dieselben auf neulich schon gemeldete Weise auf einQuartblatt drucken zu lassen, so nämlich, daß vier Columnen aufeine Seite kommen.

x ) Von Beethoven besaß Goethe die Urhandschrift des LiedesWonne der Wehmut. Bei Mendelssohns erstem Besuch in Weimar legte Goethe dem Knaben diese Tonschöpfung zum Spielen vor, welche ihrer schwierigen Lesbarkeit wegen Mendelssohn später, etwa 1825oder 1830, kopierte. Goethe hat auch diese Abschrift in seine Autographen-sammlung aufgenommen.