Goethe als Autographensammler. 211
und Wohlwollenden in Kontribution“ zu setzen (Brief vom14. August 1812).
Das Jahr 1813 brachte gleich im Beginn die Erfüllung eines lang-gehegten Wunsches. Knebel hatte den Wink, sich in Nürnberg für die Vermehrung von Goethes Sammlung zu interessieren, ver-standen. Näher lag es ihm freilich, sich in Jena nach Auto-graphen umzutun. Hier war 1812 der Professor Joh. Jakob Griesbach gestorben, der als Theologe und Philologe miteiner großen Anzahl gelehrter Zeitgenossen im Briefwechselgestanden hatte. Aus dessen Nachlaß erbat sich Knebel einPaket Briefe.
Goethe antwortete (d. d. Weimar , 13. Januar 1813):
Die heutige Sendung ist mir besonders merkwürdig. Sie enthältdie Handschriften sehr bedeutender Männer aus dem philologischenFache, von denen ich wenig besaß. Sie sollen sogleich einrangiertwerden. Es sind sehr merkwürdige und bedeutende Hände darunter,und weil diese Männer doch an allen Enden Deutschlands gebildetwaren, eine sehr große Abwechslung.
Noch in demselben Jahre konnte Knebel dem Freunde einKonvolut von 59 Autographen, diesmal aus der Sammlung Murr ,und zwar als Geburtstagsgeschenk, vorlegen. Goethe antwortete:
Die Murrsche Korrespondenz war der erste bedeutende Zuwachszu meiner handschriftlichen Sammlung, der mir dieses Jahr ge-worden ist. (d. d. Weimar , 5. Sept. 1813).
In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrzehnts erscheint GoethesSammelfreudigkeit, wenigstens auf dem Gebiete der Autographen,etwas eingedämmt. Leitung des Weimarer Theaters, Beschäftigungmit Chemie und anderen Naturwissenschaften, Freud ’ und Leid inder Familie gönnen ihm zur Befriedigung seiner Sammellust kaumMuße.
Fürchtete der Ewig-Junge, den zum Autographensammelnerforderlichen „Elan“ nicht mehr aufzubringen, nachdem er dieSchwelle des biblischen Alters überschritten? Fast scheint es so,
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