Goethe als Autographensammler.
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To
A stranger presumes to öfter the homage of aliterary vassal to his liege lord, the first of existing writers,who has created the literature of his own country,and illustrated that of Europe.
The unworthy production
which the author ventures to inscribe to him is entitledSardanapalus.
Als er nun — vermutlich auf seinen eigenen Wunsch — dieseDedikation in der Handschrift des Verfassers erhielt, ward er indie „heiterste, herzlichste Stimmung“ versetzt (26. März 1826).
Ebenso löste in ihm ein Jahr später ein Brief von Walter Scott große Freude aus. —
Über den Zweck seiner Anhäufung handschriftlicher Kostbar-keiten hat sich Goethe wiederholt geäußert. Unverkennbar hat ihmzuerst daran gelegen, eine möglichst große Anzahl von Vertreternder verschiedensten Kulturgebiete im Autograph zu vereinigen.Hierzu genügte die alphabetische Anordnung. 1823 sind die Stückebereits systematisch rubriziert; am 9- Februar jenes Jahres vertreibtsich Eckermann während eines Gespräches zwischen Goethe unddem Kunst-Meyer die Zeit mit der Durchblätterung eines „Albumsvergangener Jahrhunderte“, enthaltend u. a. die Handschriften vonLuther , Erasmus und Mosheim. Es war vermutlich die Ab-teilung „Reformation und Humanismus“.
Aber neben dem wissenschaftlichen Prinzip behält Goethe be-ständig das psychologische im Auge. Ihn beglückt das Bewußt-sein, daß ihm die erlesensten Geister der Vergangenheit greifbar nahesind und daß er jeden Augenblick mit ihnen „geheime Zwiesprach“halten kann. Nichts anderes bedeutet sein Freudenruf an Klinger(8. Dezember 1811): „Was soll’s denn weiter, als daß man dasunmittelbare Andenken der Tüchtigen erhält!“
Im steten Umgänge mit den „Tüchtigen“ des fernen Ehemalsbedeutet ihm deren Handschrift ein Spiegelbild, einen Teil ihresWesens. Daher ist mit dem Autograph die Persönlichkeit selberanwesend. Wer die Handschrift besitzt, dem steht das Zauberwort