Goethe als Autographensammler.
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wortete. Lenz, Iffland, Gräfin Julie von Egloffstein *Familie Frommann, Frau Professor Döbereiner, Frauvon Mandelsloh, Streckfuß und wie sie alle heißen, legten demgütigen Meister ihre Stammbücher vor, und als der junge Felix Mendelssohn-Bartholdy sich ein Autograph ausbat, bekam ergleich einen Bogen aus dem Faust-Manuskript mit der Widmung:
Dem lieben jungen FreundeFelix Mendelssohn-Bartholdy ,kräftig zartem Beherrscher des Pianos,zur freundlichen Erinnerung froher Maientage 1830.
J. W. v. Goethe.
Sein Leipziger Studiengenosse Ernst Dietrich Freiherrvon Schöpping aus Kurland (1749—1818) erhielt das Albumblatt:
Quod Dii dant, fero.
Viro generosissimo Possessori, per trien*Francfurti ad Moenum, nium in Academia concivi, per triduum
die 1. Octobr. 1768. in itinere hospiti memoriae servandae
gratia conscripsit Goethe.
Oder er schrieb summarisch:
Ars longa.
Memoriae
Goethe.
ln deutscher Sprache widmete er mit Vorliebe den Denkspruch:
Angeborenes Talent wird durch Übung entwickelt, durch Fleiß ge-fördert, durch Nachdenken gesteigert, durch Empfindung erhöht und sovollendet.
Wiederholt verewigte er sich mit dem Zweizeiler:
Angedenken an das Liebe —
Glücklich, wem’s erhalten bliebe!
oder er schrieb Luthers Denkspruch (S. 77) nieder:
Über die Seelen kann und will Gott niemand lassen regieren, dennsich selbst alleine.
Goethes eigenes Lutherautograph ist ein lateinischer Spruch, derin der Übersetzung lautet:
Der Ruhm eine Quelle von Mühe und Leid,
Die Unbekanntheit eine Quelle des Glücks.