Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
JPEG-Download
 

Goethe als Autographensammler.

219

so würde ich unglücklich sein, wenn das Gedicht in einer fremdenHandschrift käme, aber glücklich, wenn es von Ihrer eigenen Handgeschrieben wäre. Der Maler hat Kunst genug in der Umgebungentwickelt, in der Schrift braucht keine zu sein. Es kommt bloßdarauf an, daß sie echt, daß sie die Ihrige sei. Und dann rate ichsogar, es nicht mit lateinischen, sondern mit deutschen Lettern zuschreiben, weil Ihre Hand darin sehr eigentümlichen Charakter hat.

Sie mögen recht haben, meinte Goethe,und es ist am Endeder kürzeste Weg, daß ich so tue. Vielleicht kommt mir in diesenTagen ein mutiger Augenblick, daß ich es wage. Wenn ich aber aufdas schöne Bild einen Klecks mache, fügte er lachend hinzu,somögt Ihr es verantworten.

Schreiben Sie nur, schloß Eckermann,es wird recht sein,wie es auch werde. --

Wie jeder Sammler, so ließ sich auch Goethe nicht ungern zueinem Tausch herbei. Er spendete aber auch bereitwillig eine Du-blette, gleichviel, ob er um eine solche ersucht wurde oder nicht.In der Familie seines Bücher- und Antiquitätenlieferanten Weigelin Leipzig wurden eifrig Autographen gesammelt. Wenn nunGoethe durch diese Firma einen lang ersehnten Kupferstich, einAutograph oder einen anderen Beitrag zu seinen Sammlungenerwarb, zeigte er sich durch eine Dublette erkenntlich (vgl. S. 165).Am 20. September 1820 mahnt er Weigel:Ihr guter Sohn wirdmich doch wieder mit dem Preiskatalog vergnügen? Ich denkedarauf, wie ich ihm dagegen etwas Freundliches erzeigen möge.Und als ihm Weigel den Ankauf der Handschriftensammlung desGrafen Cicognara meldet, wünscht Goethe zu dieser Vervollstän-digung der autographischen Schätze in einem Schreiben aus Jena Glück und stellt in Aussicht, bei seiner Rückkehr nach Weimar auch einiges beytragen zu können.

Dem genannten Rentamtmann Preusker, der den Dichter umAutographen von Herder, Hamann und Möser gebeten hatte, er-teilte er in bezug auf Hamann und Möser einen ablehnenden Be-scheid (da ich sie selbst nur einzeln besitze).Von Herders Handwird sich wohl etwas vorfinden, vertröstet er den Sammelkollegen,