Goethe als Autographensammier. 223
herzogin und Cotta, dem Vaterlande in geschlossener Sammlungerhalten.
Zum Schluß ein Wort über die Aufmachung der GoetheschenAutographensammlung.
Jedes Autograph seiner eigenen Sammlung verwahrte der Dichterin einem besonderen Umschläge, auf dem er mit roter Tinte denNamen und — bei entlegeneren Kulturgebieten, z. B. bei denKupferstechern — den Stand des Urhebers verzeichnete. Biographi-sche Darstellungen oder gar kritische Bemerkungen blieben auf denUmschlägen fort. Porträts und persönliche Andenken an den Ur-heber sind in Goethes Autographenmappen nicht zu finden: ihmlag daran, den Charakter der autographischen Schätze als Hand-schriftensammlung streng zu wahren.
Die autographischen Schätze, die Goethe aufgehäuft hat, sindleider nicht mehr vollständig erhalten, wenigstens nicht bei dertreuen Hüterin seines Nachlasses, im Goethe-Schiller-Archiv.Beispielsweise befindet sich das Autograph von Joh. Sebastian Bach nicht mehr unter den Goetheschen Autographen. Auch sind imHandel wiederholt Stücke aufgetaucht, die offenbar aus seinerSammlung stammen: sie sind daran erkennbar, daß sie von GoethesHand mit roter Tinte den Namen des Autors tragen. Es ist dem-nach zweifellos, daß Goethes Erben eine Anzahl dieser kostbarenAutographen an Freunde und Bekannte verschenkten.
Der Hauptvorrat dagegen ist noch vorhanden, und zwar unver-ändert in der alten, von Goethe selbst noch gewählten Aufbewah-rungsart. Es sind dies elf mit marmoriertem Papier überzogenePappschachteln von Quartgröße, deren jede außen Buchstaben auf-weist. Innerhalb jeder Pappschachtel sind alle Stücke, die zu einemBuchstaben gehören, in grauem Papierumschlage vereinigt, dergleichfalls den Buchstaben von Goethes Hand trägt. Von Kleistverwahrte er beispielsweise jenen berühmten Brief „Auf den Knienmeines Herzens“, auf dem er mit eigener Hand vermerkte: „v. Kleist 1
Infolge seiner schier unverwüstlichen Arbeitskraft und seinergeschickten Zeiteinteilung blieb dem Dichter, der kaum je überZeitmangel klagte, Muße genug, sich mit seinen Sammlungen zu