Das Stammbuch.
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in Leder (Schweinsleder) gebunden und mit Schloß und Schlüsselversehen. Die vornehme Aufmachung war man eben der Rück-sichtnahme auf die Familie schuldig: man vergaß nie, daß dieStammbücher Standbücher bedeuteten.
Besitzer und Einzeichner waren von der Wichtigkeit dieserAngedenkbücher überzeugt. Das gegenseitige Verhältnis war dasdes vornehmen Wirtes zu seinen Gästen. Der ewigen Vorliebe desDeutschen für das Fremde, das Ausländische entsprechend, warendie beiderseitigen Eintragungen in lateinischer, später auch ingriechischer oder einer romanischen Sprache abgefaßt. Man schämtesich, deutsch zu schreiben, um nicht seine Unwissenheit in deutscherStilistik und Rechtschreibung zu verraten.
Das Widmungsblatt von der Hand des Stammbuchbesitzers wiesvielfach den folgenden Weihespruch auf:
Templum
Pietati, Virtuti, Honori, Amori,
Gratiae, FideiSacrum
Perennis Memoriae.
Vos ergo,
Pii Aeneae, Magni Hercules, Docti Platones,
Amici Pylades, Fidi Achates.
Adeste, Praeeste, Prodeste.
Oder den folgenden: ^ ra
Deo Fidio et VirtutiSacrain qua
Observantiae Benevolentiaedebitae non fucataevictimas
Superioribus Aequalibusanimo
Humili Fidelioffert, litat.
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