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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Sechstes Kapitel.

Daß in der Zeit neulateinischer Dichtkunst lateinische Strophendas Album eröffneten, braucht uns nicht wunderzunehmen.

Ein siebenbürgischer Student schrieb Melanchthons Geleitworteauf die erste Seite seines Stammbuchs und setzte die folgendenVerse darunter:

O liber, et varios doctorum collige flores,

Collige amicorum nomina grata mihi,

Collige thesaurum, non aurum, clara virorumNomina , quae gemmis utiliora puto.

Wer ein Wappen führte, ließ dies auf dem Titelblatt fein säuber-lich ausmalen. Sonst begnügte man sich mit einer Vignette, die sichauf Wohltaten, Universitäten oder Städte bezog, wo man weilteund um derentwillen häufig das hübsche Epigramm von Owenbeigefügt wurde:

lila mihi patria est, ubi pascor, non ubi nascor;lila ubi sum notus, non ubi natus eram.

Die Einzeichner verewigten sich mit einem Spruch. An diesenschlossen sie eine umständliche Widmung und ein Symbolum,d. h. einen Wahlspruch, den sie mitunter in die Form eines Rebuskleideten.

Wer sich kurz fassen wollte, der schrieb als Widmung:

Generosissimo Magistro (oder Amico)memoriam mei commendo

oder einfach:

m(emoriae) c(ausa) sc(ripsit).

Dagegen nahmen es die hochgelahrten Herren mit der Auf-zählung ihrer sämtlichen Titel sehr genau. Noch 1754 Unterzeich-nete ein Kaiserlicher Rat:

Sacrae Majestatis Caroli VI.glor. mein. Consiliarius atqueRei publicae Patriae Duumvir.