Das Stammbuch.
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lische Figuren des Alten und Newen Testamentes“ (Frankfurt 1562),„Wappenbüchlein“ (Nürnberg 1 555) — beide von Virgil Solis ;„Reusneri aureol. emblem. libri“ und „Ejusdem icones illustr.virorum“ (beide 1587 in Straßburg von Tobias Stimmer heraus-gegeben), „Emblemata secularia“ (Frankfurt 1596), von J. undTh. de Bry, „Stamm- und Wappenbuch“, von denselben Ver-fassern (1592). Dann das „Stammbüchlein“ von David de Negker(Augsburg 1579), ferner die zahlreichen Emblemsammlungen vonCamerarius , Vannius, Achilles Bocchius, Alciatus usw. i
Während religiöse Frauen und Mädchen sich Kollektaneenbücherzur Eintragung von Bibel- und anderen erbaulichen und lehr-reichen Sprüchen anlegten und diesen Büchern — ja sogar den Bibelnselbst — den Namen „Stammbücher“ gaben, würdigten trink-feste Männer das Album zum Protokollbuch für ihre Gelage herab.
Georg Wilhelm , der Vater des Großen Kurfürsten, ließ sichfür seine Jagdfeste auf Schloß Neuhausen zwei eigenartige Trink-gefäße anfertigen: eine Muskete und eine Pulverflasche, beide ausSilber. Jeder Gast auf dem genannten Jagdschloß mußte Musketeund Pulverhorn auf das Wohl des kurbrandenburgischen Hausesleeren. Danach mußte er seinen Namen mit einem Spruch in einAlbum eintragen, das zu diesem kriegerischen Trinkgefäß gehörte.
Unter dem sparsamen Soldatenkönige Friedrich Wilhelm I. trank man aus dieser Muskete keinen Wein, sondern Bier. Aberdie Lust an der schriftlichen Verewigung der Zechgenossen litt dar-unter nicht. Friedrich Wilhelm schrieb am 9- September 1734
kurz und bündig: ... , _ n , <c
6 „Vivat Preußen!
Fürst Leopold von Anhalt-Dessau widmete seinen Wahlspruch:
„Getreu bis in den thott!“
Noch zu Friedrichs des Großen Zeiten diente das sonderbareTrinkgefäß seinem Zwecke, wie die Eintragung eines Herrn E. G.Büttner vom 9- Juli 1743 beweist:
„Es lebe Friedrich! Weg mit Pulver und Dinte!
Ich trink’ sein hohes Wohl aus Pulverhorn und Flinte.“
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