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Achtes Kapitel.
Sammlung ein notwendiges Steinchen in einem wertvollen Mosaik-bilde darstellt.
Das Aufhäufen einer Spezialsammlung Goethe dürfte ein ganzesMenschenleben ausfüllen. Jede Person seines Familienkreises,jeder Mann und jede Frau, die er der Ehre seiner Freundschaft,seines persönlichen und schriftlichen Verkehrs würdigte, jeder Heldseiner Gedichte, Romane und Dramen müßte in einer solchen Samm-lung vertreten sein. Tischbein, der die herrliche Goethebüstemodellierte, Beethoven , der die Musik zum „Egmont“, Gluck,der eine „Iphigenie “ komponierte, Donndorf , der das Goethe-Schiller-Denkmal schuf, Großherzogin Sophie , welche die großeGoethe-Ausgabe veranlaßte, alle Komponisten, welche GoethesLieder vertonten, alle seine Biographen und die Kommentatorenseiner Werke — wer zählt die Namen? Tausende von Autographensind erforderlich, aber schon ein paar Dutzend können eine solcheGoethesammlung interessant gestalten.
Wem eine solche Spezialsammlung zu umfangreich zu werdendroht, der beschränke sich vielleicht auf eine kleine Goethe-Schiller-Sammlung unter Zugrundelegung von Goethes Briefwechsel mitSchiller. Das Namensregister am Schluß dieser Korrespondenzzeigt, daß diese Beschränkung eine ganz stattliche Autographen-sammlung ermöglicht. An der Hand von Schillers „Geschichte desDreißigjährigen Krieges“ ließe sich gleichfalls eine Spezialsammlungeinrichten. Es ist freilich nicht zu leugnen, daß dies etwas fernabliegende Spezialgebiet — bei allem Wert der einzelnen Stücke —recht trocken sein mag, wenn nicht gerade ein Historiker vom Fachsich liebevoll hineinversenkt.
Bei der Zusammenstellung von Gruppen empfiehlt es sich, diesenicht aus Epochen zu wählen, die dicht aufeinander folgten: z. B.„Befreiungskriege “ und „Berliner Salons“ oder „Die Paulskirche“und „Die Dichter des Schwabenlandes“. Der Sammler müßte sonstzwei Prinz Louis Ferdinand , zwei Uhland usw. sein eigen nennen.Wenn ein Sammler dem Paulskirchenparlament keine besondereGruppe einräumt, sondern sich mit dessen Präsidenten begnügt,kann seine Spezialsammlung „Deutsche Geschichte“ — die bedeu-