Neuntes Kapitel.
Die Kataloge.
Der gebildete Autographensammler muß sein wissenschaftlichesRüstzeug im Kopf tragen. Er muß über ausgebreitete Kenntnisseauf allen Gebieten der politischen, der Literatur-, Kunst- undMusikgeschichte verfügen, um die Bedeutung der sich ihm bieten-den Autographen bzw. ihrer Autoren voll zu würdigen. Er mußwachen Auges die Vorgänge im geistigen Leben seiner Zeit verfolgenund sich bemühen, für die Wertung ihrer Träger den richtigen Maß-stab zu gewinnen.
Ich kann mir wohl denken, daß selbst ein fein gebildeter Sammlergrößten Stils ganz ohne literarische Hilfsmittel auskommen kann,und daß es ihm genügt, sich an der Hand der Kataloge freihändigverkäuflicher Handschriften und beim Besuch von Versteigerungenüber die Kursschwankungen auf der Autographenbörse zu unter-richten. Auch die wissenschaftliche Anordnung seiner Schätze istihm bei etwas angeborenem Ordnungssinn und vor allem bei einerumfassenden Kenntnis seines Spezialgebietes eine Leichtigkeit.Dennoch wird der Sammler, dem seine Autographen nicht bloß eineAugenweide, sondern vor allem Studienobjekte bedeuten, ohnedie Benutzung von Fachliteratur nicht auskommen. Jeden Augen-blick weiß der wissenschaftliche Sammler, welche Stücke er besitztund welche ihm noch fehlen. Die häufige Durchsicht seiner Schätzeund die Liebe zu ihnen haben seinem Gedächtnis sogar den Wortlautder Autographen so fest eingeprägt, daß er sie Wort für Wortjederzeit zu vergegenwärtigen vermag. Auch eines biographischenLexikons kann der Sammler entraten, wenn er die Hauptepochender Welt-, Literatur-, Kunst- und Musikgeschichte beherrscht (unddas muß ein Autographenfreund, wenn er seine Sammlung als