Die Kataloge.
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„wissenschaftlich“, d. h. als einen Leitfaden oder — wenn manwill — als einen Bilderatlas zu jenen großen Gebieten menschlicherKultur bezeichnen darf). Er muß wissen, daß Andreas Gryp-phius und Hofmann von Hofmannswaldau zur zweiten schle-sischen Dichterschule, Bodmer und Breitinger zu Mendels-sohn, Nicolai, Reimarus und Hauptpastor Goeze, d. h. zumZeitalter Lessings gehören, und Moritz von Schwind darf ernicht vor Böcklin , Richard Wagner nicht vor Meyerbeereinordnen usw. Auf eine genaue Kenntnis jedes Geburts- und Sterbe-datums kommt es gewiß nicht an! Auch darauf nicht, daß sich ein-mal ausnahmsweise ein Ausländer unter die deutschen Dichterverirrt.
Wenn neben dem Sammeln ein gründliches Studium aller gei-stigen Strömungen auf dem erwählten Spezialgebiet einhergeht, soist der Autographenfreund imstande, die einzelnen Persönlichkeiten,die es vertreten, treffsicher zu werten und weiß deshalb, ob ihnenin einer ernsthaften Autographensammlung — in einem „Leit-faden“ — ein Plätzlein zukommt.
Eine auf Vollständigkeit abzielende Sammlung erleidet dem-gemäß keine Einbuße, wenn bei den Schriftstellern Clauren(Heun) und Wienbarg , Theodor Mundt , Rellstab undStreckfuß, bei den Komponisten Kretschmer und Moscheies,unter den Feldherren und Fürsten Graf v. d. Schulenburg,Prinz August von Württemberg oder Herzog Ernst August ,der Sohn des letzten Königs von Hannover , fehlen.
Wenn der Autographensammler sich eines literarischen Hilfs-mittels bedienen will, so durchblättere er den Katalog der Samm-lung Bovet (Paris 1884), am liebsten in der Luxusausgabe, die einMeisterwerk der typographischen Kunst darstellt. (Fischer von Röslerstamm nennt diese Prachtausgabe den „Superlativ der Voll-endung“ !) Er bietet die faksimilierten Autographen von mehr als20000 Persönlichkeiten auf kostbarem, geripptem, maisgelbemoder auf weißem Satinpapier in Folioformat. Nächst dem Betrach-ten einer wohlgeordneten Sammlung von Originalhandschriften gibtes für den Sammler keinen größeren Genuß, als das Studium eines