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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Zehntes Kapitel.

Mühe mehr gab, den königlichen Namenszug nachzuahmen (Abb. 70).Königin Marie Antoinette fertigte eine derartige, von ihrem Beicht-vater und Vertrauten, Abb6 de Vermond, in ihrer HandschriftUnterzeichnete Urkunde mit der WillensäußerungPayez aus.Außer den eigenhändigen Familienbriefen sind diese Zahlungs-anweisungen die einzigen im Handel vorkommenden Autographender unglücklichen Königin.

Während Napoleon 1 . jede Urkunde eigenhändig Unterzeich-nete, bediente sich Ludwig XVIII. wieder eines secrdtaire de lamain, allerdings nur für Patente und Kabinettsorders betreffendErnennungen. Mittels eines Namensstempels unterfertigte er dieEinberufungen zu den Kammersessionen. Dieselbe Erleichterunggönnten sich seine Nachfolger Karl X. und Ludwig Philipp;bedeutete doch die Unterzeichnung von mehreren Hundert Ein-ladungen zur Legislaturperiode für sie eine erhebliche Arbeitsleistung.

Charpentier, der Sekretär des Kardinals Richelieu , ahmtedie Handschrift seines Herrn so täuschend nach, daß deneigen-händigen Briefen des großen Staatsmannes gegenüber die größteVorsicht geboten erscheint. Für Frau von Maintenon korrespon-dierte ihre Sekretärin Mlle. dAumale. Auch Garibaldi ließ seineKorrespondenz in seiner Handschrift von seinem Sekretär erledigen.Namensstempel finden wir bei den Staatsmännern seltener als beiden fürstlichen Personen. Charavay hat diese Hilfsmittel eigent-lich nur bei Danton und Cavour beobachtet; mir erscheinenauch Unterschriften Colberts oft als vom Namensstempel her-rührend.

Während die spanischen Könige diese Erleichterung nicht ver-schmähten, hat weder je ein englischer König, noch ein Hohenzoller,noch ein Präsident der Vereinigten Staaten anders als eigenhändig'unterzeichnet. Die Unterfertigung mittels eines abgekürztenNamenszuges oder eines bloßen Anfangsbuchstabens bleibt eigent-lich nur auf den allerdings stark beschäftigten, weil mehr alsvielseitigen Preußenkönig Friedrich den Großen beschränkt.Hans Brendicke glaubt, daß auch dieser König sichs mit derUnterzeichnung seiner Briefe recht bequem gemacht habe. Er