Echtheit und Fälschung.
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Sohn dem „großen Unbekannten“ gegenüber sich nicht durch seinWort zur strengsten Verschwiegenheit verpflichtet hätte!
In einer schwachen Stunde gab Ireland jun. im Namen jenesgeheimnisvollen Freundes aus dem Kaffeehause die Erlaubnis zurDrucklegung.
„Sie tun es freilich auf eigene Gefahr, denn ,der Herr 1 will mitder Sache nichts zu tun haben, und sein Name bleibt der Öffentlich-keit gegenüber nach wie vor unbekannt.“
„Einverstanden.“
Ireland sen. verschickte eine Subskriptionsliste, bemerkte aberausdrücklich: wer ein Exemplar bestellt, die Manuskripte abernoch nicht gesehen hat, der kann seine Subskription rückgängigmachen, wenn in ihm bei der Besichtigung der Blätter Zweifel anihrer Authentizität auftauchen.
Obwohl bereits Aushängebogen von Malones „Untersuchung überdie Echtheit der angeblichen Shakespeare -Handschriften“ in dieWelt hinausflattern, kauft Ireland einen großen Posten alter Bücherauf, versieht diese mit der Namenseintragung „William Shake speare “ und Randbemerkungen und gibt den ganzen Büchervorratschlankweg als „Shakespeares Bibliothek“ aus — alles, um seinenVater zu erfreuen! Nicht genug: er „findet“ eine ganze Reihevon Gedichten Shakespeares an berühmte Zeitgenossen, in Akro-stichonform! Die Sache hörte aber — trotz eines Besuches beimPrinzen von Wales und beim Herzoge von Clarence, welche dieSchriftstücke besichtigten — schon langsam auf, zu „ziehen“.
Man forschte nach dem „großen Unbekannten“, d. h. man paßteauf, wohin der junge Ireland seine Schritte lenkte — aber wederdas Kaffeehaus noch irgendein junger Herr wurde ermittelt, woIreland verkehrte. Daß er selbst der Fälscher sein könnte, hieltman bei seinem jugendlichen Alter für ausgeschlossen. Als er nun— um sich den bleibenden Besitz der von ihm angefertigten Doku-mente zu sichern — mit der Behauptung hervortrat, Shakespeare habe einem seiner Vorfahren, gleichfalls William Henry Ireland mit Namen, zum Danke für Rettung aus Lebensgefahr bei einerBootfahrt, seine Manuskripte vermacht, und diese Behauptung