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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Echtheit und Fälschung.

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an diese gerichtete Zeilen zu erhalten. Um die Mitte des Jahr-hunderts tauchten plötzlich eine Menge von Schiller-Autographenauf; alle Buchhändler, die Autographen führten, namentlich Baer in Frankfurt und Stargardt in Berlin , konnten ihren Kunden mitSchiller -Handschriften dienen. Sie stammten fast alle aus demBesitz des Architekten Gerstenbergk. Zwei gewiegte Autographen-kenner, Dielitz (Berlin ) und Künzel (Heilbronn ), kennzeichnetendiese Autographen als gefälscht. Demgemäß erhob der geschädigteBuchhändler Baer bei der Weimarer Staatsanwaltschaft gegenGerstenbergk Klage wegen Betruges. Die Zahl der bei den Wieder-verkäufern gefundenen bzw. weiterveräußerten Stücke betrug 416,von denen die Sachverständigen nur vier für unbedingt echt er-klärten.

Die -Gerichtsverhandlung ergab, daß Gerstenbergk seit JahrenSchiller -Autographen an die Witwe des Geheimen Hofrats Riemerverkauft und daß diese sie für 80 Taler an die genannten Buch-händler weiterverkauft hatte. DasManuskript derGlocke,nebst ganzen Auftritten aus denRäubern,Fiesko usw. zu-sammen 179 Seiten überließ sie für 60 Friedrichsdor der BerlinerStaatsbibliothek und Privatsammlern. An den Großherzog KarlFriedrich verkaufte Gerstenbergk für 10 Taler, an den GroßherzogKarl Alexander für 113 Taler, an Schillers Tochter, Ida Freifrauvon Gleichen-Rußwurm , für 1419 Taler Schiller -Autographen;im ganzen wurden für 2000 Taler Falsifikate abgesetzt.

Vor Gericht bestritt der Sachverständige Künzel die Echtheitmit der Begründung:

1. Die vorliegenden Handschriften zeigen alle eine und dieselbe* Papiersorte, während Schiller selbst im Zeitraum eines Jahres

mit seinem Schreibpapier abwechselte.

2. Der Duktus der Schrift weicht von den echten Schiller-Handschriften erheblich ab.

3. Die Rechtschreibung entspricht nicht der Schillerschen.

Dielitz erhob folgende Einwände:

1. Die Schriftzüge sind von Schillers echter Handschrift ver-schieden; ihnen fehlen vor allem die Rundung und der großartige