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Zehntes Kapitel.
„Auf Verlangen bezeugt der Unterschriebene (der langjährigerPrivatsekretär Goethes und Aufseher seiner literarischen und Kunst-schätze in specie seines Archivs war), daß die gegenüberstehendeSchrift das wirkliche Autographuni Friedrich von Schillers ist.
Friedrich Theodor Kräuter,Rat und Bibliothekar.“
Obwohl diese Fälschungen — nach Scotts Urteil — das „nonplus ultra“ der Fälscherkunst darstellen, so ist es nicht schwer ge-wesen, die Faksimilia mittels literarischer und chemischer Kennt-nisse als Nachbildungen zu kennzeichnen.
Graphologisch zeigte das g, G, h, H, z, Z eine von der Schiller-schen Schreibweise abweichende Form: der untere Bogen dieserBuchstaben weist zuerst mehr nach rechts, dann erst, ungefähr inder Mitte — mit einer gewissen gezwungenen Beugung — nachlinks. Auch ist das St, das Schiller in einem Zuge schrieb, in denFälschungen abgesetzt. Während Schiller bei verschiedenen Buch-staben, besonders beim p und T, in der Schreibung abwechselte,hat der Fälscher ihre Form mit peinlicher Ängstlichkeit beibehalten.Schiller hat beständig die Haarstriche der Buchstaben fast nurrein von unten diagonal nach oben gezogen, niemals aber die Grund-striche durch unten herum geführte Bogenstriche verbunden, wiees der Nachahmer seiner Schrift getan hat.
Fremdwörter schrieb Schiller immer in Antiqua ; in der Fälschungerscheinen sie in Fraktur, sogar das französische Wort „Isle deBourbon“.
Der echte Schiller schrieb fast ausnahmslos mit derselben Tinte;der Faksimilant benutzte Tinte, die bald vollkommen verblich,bald als rotbraun, bald als hundertjährig, bald als aus der jüngstenGegenwart stammend erschien. Stellenweise macht die Tinte einenverwischten Eindruck, als hätte jemand von dem Blatt feuchtesPapier, das nicht überall fest aufgedrückt war, abgezogen. Eisen-vitriol mit gewissen Ingredienzien liefert eine Schreibflüssigkeit,die einer sehr alten Tinte tatsächlich täuschend ähnlich sieht.
Schon der erste Blick in die inkriminierten Manuskripte der