Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
JPEG-Download
 

388

Zehntes Kapitel.

7. Daß er eine außerordentlich große Menge von Autographenzu unverhältnismäßig geringem Preise verkauft hat, läßt auf derenleichte Beschaffung schließen.

8. ln den gefälschten Schriftstücken erkennen die Sachverstän-digen eine Ähnlichkeit mit der Handschrift des Angeklagten.

Der Gerichtshof ist auf Grund dieser Momente zu der Über-zeugung gekommen, daß der Angeklagte Gerstenbergk soweit ernicht diese Handschriften selber gefälscht hat doch zu derenFälschung mitgewirkt oder darum gewußt, und die gefälschtenStücke wissentlich als echt verkauft habe.

Er hat sich demgemäß des Betruges bei Eingehung von Verträgenschuldig gemacht. Milderungsgründe liegen nicht vor, namentlichkeinerlei freies Geständnis des Angeklagten.

Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von 2 1 / 2 Jahren.Aber in Ansehung der ohne sein Verschulden durch die in denVerhältnissen liegende Langwierigkeit der Voruntersuchung ver-längerten Untersuchungshaft, hat das Gericht diesen Strafantrag,der aber auch die Untersuchungshaft berücksichtigt wissen wollte,auf zwei Jahre ermäßigt. Außerdem wurden dem Angeklagten diebürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt und ihm dieTragung der Prozeßkosten auferlegt.

Nach England und Deutschland bekam auch Frankreich dasklassische Land des Autographenwesens seinen Skandalprozeßwegen gefälschter Autographen. Zwei Jahre hielt er nicht nur dieSammlerkreise, sondern auch die Gelehrtenschaft Frankreichs inSpannung.

Am 8. Juli 1867 setzte der angesehene Mathematiker Chaslesdas Institut de France durch die Vorlegung zweier Originalbriefevon Rotrou an den Kardinal Richelieu , die Gründung der Akademiebetreffend, in Erstaunen. In den Sitzungsberichten wurde dieserAutographen dankbar gedacht, freilich mit einer Bemerkung, dieauf densonderbaren Stil jener Rotrou -Briefe hinwies.

Das Erstaunen war deshalb so groß, weil Rotrou -Autographenbisher noch nie im Handel aufgetaucht waren und demgemäß keinPrivatsammler welche besaß. Nicht einmal dem Herausgeber der